Der Schock von Schanghai saß tief. Im vergangenen Jahr öffnete China nach der Corona-Pandemie erstmals wieder das Land, um eine internationale Automesse zu veranstalten. Was die deutschen Automanager dort zu sehen bekamen, hinterließ bei vielen von ihnen ein mulmiges Gefühl. Während sich Europa über Jahre mit Brexit und Corona-Pandemie beschäftigte, haben die chinesischen Autobauer auf die Überholspur gewechselt. Autos von BYD, Nio, Xpeng, LiAuto, HiPhi, Geey, Great Wall, Chery oder SAIC können es dank Wechsel zum Elektroantrieb inzwischen technologisch mit der europäischen Konkurrenz aufnehmen – und beim Preis sowieso. Beeindruckend ist zudem die schiere Anzahl der neuen Player. Von über 150 Autoherstellern im Reich der Mitte ist die Rede.
Dennoch ist die befürchtete große Angriffswelle auf den europäischen Markt bisher ausgeblieben, obwohl viele chinesischen Marken den Sprung gewagt haben. Außer MG hat es beispielsweise in Deutschland noch niemand geschafft, nennenswerte Stückzahlen zu erreichen. Die Marke des chinesischen VW-Kooperationspartners SAIC setzt auf den klassischen Handel als Vertriebsmodell sowie ein gut ausgebautes Servicenetz. Anderen Marken inklusive dem Branchenführer BYD ist es nicht gelungen, die Fahrzeuge auch wirklich in großen Mengen zu den Kunden zu bringen. Hinzu kommt, dass die Preisvorteile im Heimatland durch Zölle und Kosten für Homologation in Europa nahezu aufgebraucht sind. "Viele Player haben unterschätzt, wie kompliziert die Regularien in der Europäischen Union sind", sagt beispielsweise Automotive-Experte Felix Kuhnert von der Strategieberatung PwC in einem von Automobilwoche-Herausgeber Burkhard Riering moderierten Webinar zum Thema China.