Werden nun also in den kommenden Jahren alle chinesischen Marken, die in Europa Autos verkaufen, dort auch eigene Werke betreiben? In dieser Frage sind sich die drei genannten Experten einig. Die größten Marken werden den Schritt gehen, etliche kleinere aber werden es beim Export belassen.
"Die Hersteller, die ins Volumensegment einsteigen, also große Stückzahlen verkaufen wollen und einen Marktanteil von über fünf Prozent anstreben, werden hier Werke bauen", erwartet Arthur D. Little-Partner Krug. "Die Premiumanbieter dagegen, die in eine Nische reingehen, werden weiter auf die Exportstrategie aus China setzen."
Diese Entwicklung erwartet auch CAM-Direktor Bratzel. "Wer nicht wenigstens 80.000 Einheiten pro Jahr in Europa verkaufen kann, wird in der Region keine Produktion aufziehen. Die meisten chinesischen Hersteller haben sich von ihren teilweise bizarren Wachstumserwartungen verabschiedet und sehen ihre Chancen heute realistischer als noch vor einigen Jahren."
Es werde auch der eine oder andere Hersteller nicht nur in China, sondern auch in Europa auf der Strecke bleiben, erwartet Bratzel. "Das ist kein Selbstläufer. Alle chinesischen Marken müssen noch Vorbehalte aus dem Weg räumen. Und die Konsolidierung in China wird noch zu mancher Marktbereinigung auch in Europa führen."