Stuttgart. Nach der Einigung mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich kann DaimlerChrysler-Konzernchef Dieter Zetsche Management und Verwaltung des Autokonzerns wie geplant verkleinern und umbauen. Nach wochenlangem zähen Ringen hatten sich Betriebsrat und Unternehmensleitung am Dienstagabend darauf geeinigt, betriebsbedingte Änderungskündigungen bis Ende 2007 auszuschließen. Beschäftigten, deren Stellen wegfallen, müssen interne Arbeitsplätze angeboten werden. Dies waren die Kernpunkte der Verhandlungen, die von der Konzernleitung als intensiv und konstruktiv bewertet wurden. Nun könne planmäßig zum 1. August mit der Umsetzung des so genannten Neuen Management Modells (NMM) begonnen werden, erklärte das Unternehmen.
Zetsche will bis 2008 weltweit rund 6.000 der 30.000 Stellen in Management und Verwaltung streichen, davon etwa 3.200 in Deutschland. Dadurch würden Doppelkapazitäten auf Konzernebene und auf operativer Ebene beseitigt und die Komplexität im Unternehmen verringert. In der Verwaltung würden Entscheidungsprozesse kürzer, schneller und schlanker. Insgesamt werde die Wettbewerbsfähigkeit von DaimlerChrysler gestärkt. Der Stellenabbau soll nach früheren Angaben etwa zwei Milliarden Euro kosten und jährlich rund eine Milliarde Euro einsparen.
Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm betonte, dass man einen fairen Interessenausgleich erzielt habe, der die Beschäftigten "sehr weitgehend" vor Nachteilen aus dem Umbauprozess schütze. "Mit der Umsetzung des Neuen Management Modells findet der größte Umbau statt, den wir in den Verwaltungsbereichen dieses Unternehmens je erlebt haben", sagte Klemm. Auf die Fremdvergabe von Arbeiten soll weitgehend verzichtet werden. Weiter sieht die freiwillige Vereinbarung vor, dass bei einer Versetzung auf einen niedriger eingestuften Arbeitsplatz eine Verdienstsicherung von 36 Monaten gelte. Als Ausnahmen kämen freiwillige Vereinbarungen für das Ausscheiden mit Abfindungsleistungen sowie Frühpensionierungen und Altersteilzeit in Frage. Die Angebote für das freiwillige Ausscheiden gelten ab dem 1. August und sollen sich im Wesentlichen an den Regelungen in der Mercedes Car Group orientieren – hier gilt eine maximale Abfindungszahlung von 275.000 Euro.
Alle Personalanpassungen sollen laut DaimlerChrysler in der Regel auf freiwilliger Basis vorgenommen werden. Betriebsbedingte Kündigungen für Tarif-Mitarbeiter sind bis Anfang 2012 durch eine Beschäftigungssicherung ausgeschlossen. Etliche Manager haben dagegen aber bereits mitgeteilt bekommen, dass ihre Stellen künftig wegfallen und sie ein Abfindungsangebot erhalten. In der Mercedes Car Group werden zusätzlich noch 8.500 Stellen in den deutschen Werken gestrichen. Auch hier gilt das Prinzip der Freiwilligkeit wegen der Beschäftigungssicherung bis 2012. (dpa/mm)