Hannover. Der Autozulieferer Continental sieht sich trotz gestiegener Rohstoffpreise und Sanierungskosten für das verlustreiche US-Reifengeschäft weiter auf Rekordfahrt. Im zweiten Quartal allerdings ging das Ergebnis deutlich zurück. Um in den USA künftig wieder schwarze Zahlen zu schreiben, macht Conti sein US-Reifenwerk Mayfield komplett dicht und streicht noch einmal 150 Stellen. Das teilte der Konzern am Donnerstag in Hannover mit.
Vorstandschef Manfred Wennemer sagte, Continental sei "sehr zuversichtlich", im Gesamtjahr zum fünften Mal in Folge neue Spitzenwerte bei Umsatz und Ergebnis zu erzielen. Im zweiten Quartal aber sank das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) wegen Sondereffekten im Jahresvergleich um fast neun Prozent auf 369,6 Millionen Euro. Das Nachsteuerergebnis verringerte sich um fast ein Fünftel auf 201,7 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf rund 3,6 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Umsatz um 6,2 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro, das EBIT um 5,3 Prozent auf 722 Millionen. Damit blieb Continental prozentual deutlich unter früheren Zuwächsen.
Kräftig zum künftigen Wachstum beitragen soll das vom US-Konzern Motorola für rund 830 Millionen Euro übernommene Autoelektronik-Geschäft. Dieses werde nun konsolidiert und "schnell integriert", sagte Wennemer. Finanzvorstand Alan Hippe stellte für die übernommene Sparte im zweiten Halbjahr einen Umsatz zwischen 700 und 750 Millionen Euro in Aussicht. Mit dem Zukauf soll die Sparte Automotive Systems weiter gestärkt werden. Diese steigerte auch im ersten Halbjahr 2006 Umsatz und Ertrag deutlich, trotz Sonderkosten von 20 Millionen Euro für eine Verlagerung von Produktionskapazitäten aus Großbritannien in die Slowakei.
Die zweitwichtigste Sparte Pkw-Reifen dagegen erhöhte zwar ihren Umsatz, verzeichnete aber einen Ergebnisrückgang. Dies lag vor allem an Kosten für die Sanierung des US-Reifengeschäfts in Höhe von 45 Millionen Euro. Finanzvorstand Hippe, der zugleich für die USA zuständig ist, kündigte an, das US-Reifenwerk Mayfield werde komplett geschlossen. Die Reifenproduktion dort hat Conti längst eingestellt, derzeit ist aber noch eine Mischerei mit rund 150 Beschäftigten in Betrieb. Diese wird nun stillgelegt, die Mitarbeiter müssen gehen. Auch in seinem US-Reifenwerk Charlotte hat Continental die Produktion laut Hippe inzwischen eingestellt. Die dortige Mischerei mit rund 200 Mitarbeitern soll aber fortgeführt werden. Inklusive der Schließung der Mischerei in Mayfield hat Conti in den beiden US-Reifenwerken insgesamt rund 1.400 Stellen gestrichen.
Mit der Gewerkschaft hatte Conti über eine drastische Senkung der Arbeitskosten in Charlotte verhandelt, um die Reifenproduktion dort doch noch zu erhalten. Hippe sagte aber am Donnerstag: "Aus heutiger Sicht ist nicht mehr zu erwarten, dass wir uns mit der Gewerkschaft einigen werden." Es werde bereits über einen Sozialplan verhandelt. Hippe sagte, er rechne auch im zweiten Halbjahr mit Sanierungskosten in den USA in Höhe von 45 Millionen Euro. Zugleich kürzt Conti aber bei nicht mehr aktiven Arbeitnehmern Zuschüsse zur Krankenkasse. Dies bringe im zweiten Halbjahr positive Ergebnis-Effekte zwischen 55 und 75 Millionen Euro.
Eine weitere Belastung für Conti im ersten Halbjahr waren die hohen Rohmaterialpreise, vor allem für Naturkautschuk und Öl. Sie drückten in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit rund 158 Millionen Euro auf das operative Konzernergebnis. Hippe rechnet auch im zweiten Halbjahr mit Belastungen durch die hohen Rohstoffpreise. (dpa/tb)