Rüsselsheim. Die Warnstreikwelle bei Opel erfasst immer mehr Werke und nimmt für den Mutterkonzern General Motors (GM) bedrohliche Ausmaße an. Aus Protest gegen weiteren Stellenabbau und drohende Werksschließungen sollen in der nächsten Woche in ganz Europa die Protestaktionen noch verstärkt werden. Der europäische Betriebsrat erwartet finanzielle Einbußen für den Konzern. "Der Sprung in die schwarzen Zahlen hängt am seidenen Faden", sagte der europäische Betriebsratschef Klaus Franz am Freitag. "Wir wollen weder das Unternehmen noch die Marke schädigen, aber wir fordern, dass die GM-Führung mit uns konstruktiv verhandelt."
General Motors Europa mit den Marken Opel, Vauxhall und Saab will nach Jahren hoher Verluste in diesem Jahr wieder Gewinne erzielen. Ein GM-Sprecher wollte die finanziellen Auswirkungen der Arbeitsniederlegungen nicht beziffern. "Der Ausfall hält sich in Grenzen und kann in Sonderschichten nachgeholt werden", sagte der Sprecher. Grund für die Proteste ist die von GM angekündigte Schließung des portugiesischen Werks in Azambuja mit 1.150 Mitarbeitern, wo der Lieferwagen Combo gebaut wird. Das Aus für das Werk scheint inzwischen beschlossene Sache.
Nach Opel-Angaben haben die Mitarbeiter bereits einen Brief von GM Europa erhalten. Darin erklärt das Management, falls man keine Lösung finde, werde das Werk zum 31. Oktober geschlossen. GM-Sprecher Nelson Silveira, die Schließung und die Verlegung der Combo-Produktion ins spanische Saragossa seien "das wahrscheinlichste Szenario". Die portugiesische Regierung drohte im Fall der Schließung mit der Rückforderung von Staatsbeihilfen. Für den Bau der Autofabrik hatte GM mehr als 40 Millionen Euro staatliche Beihilfen erhalten.
Aus Protest legte am Freitag nach Betriebsratsangaben die Belegschaft im Opel-Werk im belgischen Antwerpen die Arbeit vorübergehend nieder. Deswegen konnten rund 400 Wagen nicht gebaut werden, hieß es. Eine weitere Aktion ist nach Gewerkschaftsangaben für Sonntagabend geplant. In der kommenden Woche sind Warnstreiks unter anderem in Bochum und in Eisenach angekündigt. Damit zielt der europäische Betriebsrat auf die Produktion der beiden wichtigsten Opel-Modelle Astra und Zafira.
Vor wenigen Tagen hatten rund 5.000 Mitarbeiter im Opel-Stammwerk Rüsselsheim vorübergehend die Produktion ruhen lassen. Weitere Aktionen gab es bereits in Portugal, Spanien, Österreich und Ungarn. Der Betriebsrat fürchtet, dass bis zu 30.000 weitere Arbeitsplätze bei GM und Zulieferern in Europa bedroht sind. Sonderschichten müssen vom Betriebsrat gebilligt werden, so waren zuletzt in Eisenach vier Sonderschichten abgelehnt worden. Die am Samstag geplante Extra-Schicht werde aber nach Entscheid der Einigungsstelle stattfinden, sagte der zuständige Richter am Arbeitsgericht Eisenach am Freitag dem Sender MDR. Der Betriebsrat hatte die Schicht zunächst abgelehnt, um die Solidarität mit dem Werk in Portugal zu zeigen. (dpa/mm)