Hamburg. Mit einer ersten Warnstreikwelle haben nach Gewerkschafts-Angaben rund 80.000 Metaller am Mittwoch ihre Forderung nach fünf Prozent mehr Geld untermauert. Die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie legten nach Ende der Friedenspflicht um Mitternacht bundesweit kurzzeitig die Arbeit nieder. In den Tarifverhandlungen für die insgesamt 3,4 Millionen Metaller hatte es in jeweils drei Gesprächsrunden auf Bezirksebene keine Annäherung gegeben. Die Arbeitsniederlegungen sollen an diesem Donnerstag fortgesetzt werden. IG-Metall-Chef Jürgen Peters warf den Arbeitgebern vor Metallern in Saarlouis vor, die Verhandlungen zu verschleppen und statt eines Angebots nur Gegenforderungen zu präsentieren. "Wir können noch eine Schippe drauflegen", sagte Peters.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser will jetzt ein schnelles Ende der Tarifauseinandersetzung. Im ZDF verwies er am Mittwoch auf ein "relativ detailliertes Konzept" der Arbeitgeber. Der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Kannegiesser: "Uns schwebt ein Mehrklang vor. Ein Grundentgelt für alle, dazu ein Leistungsentgelt je nach Berufsgruppe und eine Beteiligung am Betriebserfolg. Dazu könnte man etwa einen Teil der Einmalzahlung variabel gestalten." Bisher war von Arbeitgeberseite eine Anhebung der Einkommen um 1,4 Prozent als akzeptabel angedeutet worden. Die nächste große Verhandlungsrunde ist am 6. April, wenn die Tarifparteien in Nordrhein-Westfalen (700.000 Beschäftigte) und Baden-Württemberg (800.000 Beschäftigte) zusammenkommen.
In Nordrhein-Westfalen machten zehntausende Beschäftigte mit Fackelzügen, Autokorsos und auf Kundgebungen ihrem Unmut über die Haltung der Arbeitgeber Luft. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich an den Aktionen mehr als 33.000 Mitarbeiter aus 182 Betrieben. IG Metall-Chef Peters sagte auf einer Kundgebung vor etwa 3.000 Metallern in Düsseldorf: "Wir sind an Lösungen interessiert, aber wir werden den Konflikt nicht scheuen." Alleine in Köln seien rund 10.000 Mitarbeiter der Ford-Werke vor den Werkstoren zu einer Kundgebung während der Frühschicht zusammengekommen, berichtete die Gewerkschaft. In einem fast 2,5 Kilometer langen Autokorso waren am Morgen Metaller mit 130 Autos durch das Stadtzentrum von Essen gefahren.
In München traten unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht rund 350 Beschäftigte von EPCOS , Bosch und Infineon in den Ausstand. "Jetzt machen wir Druck", sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte Horst Lischka. Auch bei dem Druckmaschinenhersteller MAN Roland in Augsburg, an dem MAN beteiligt ist, legte die Nachtschicht für eine Stunde komplett die Arbeit nieder. Die größte Kundgebung in Bayern fand bei BMW in Regensburg statt. Hier legten laut Gewerkschaft 2.800 Beschäftigte der Frühschicht zeitweise die Arbeit nieder. "Die Hallen sind leer, die Bänder stehen still", sagte Jürgen Scholz von der IG Metall in Regensburg. In Hamburg versammelten sich Werftarbeiter vor den Toren der Traditionswerft Blohm & Voss, um für zwei Stunden die Arbeit ruhen zu lassen. Rund 1.000 Metaller kamen vor die Werkstore des Osnabrücker Cabrio-Bauers Karmann. Bei Karmann droht im Sommer wegen der schlechten Auftragslage der Verlust von 1.200 Arbeitsplätzen.
Ein Schwerpunkt in Hessen war Kassel, wo mehr als 3.000 Beschäftigte unter anderem von DaimlerChrysler und Krauss-Maffei Wegmann zu einer Protestkundgebung zusammenkamen. "Gebt uns fünf Prozent mehr Lohn, sonst bekommt ihr Spott und Hohn" stand auf einem Spruchband. "Alle Räder stehen still, wenn man uns verarschen will", hieß es auf einem anderen Plakat. In Baden-Württemberg starteten die Warnstreiks mit einem Fackelzug bei DaimlerChrysler in Rastatt. Im Südwesten beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben über 8.000 Metaller in mehr als 20 Betrieben. Zu den Schwerpunktaktionen am Donnerstag wird eine Demonstration bei DaimlerChrysler in Sindelfingen gehören.
Auch in Sachsen, Thüringen und Brandenburg kam es zu Aktionen. In Sachsen, wo es bereits am Vortag im Leipziger BMW-Werk zu kurzen Arbeitsniederlegungen gekommen war, wurden die Warnstreiks am Mittwoch ausgeweitet. Betroffen waren unter anderem der Druckmaschinenhersteller KBA Planeta in Radebeul, Bombardier Bautzen, MAN Druckmaschinen Plauen und der Automobilzulieferer Siemens VDO in Limbach-Oberfrohna. (dpa)