Leipzig. Bei BMW Leipzig sind am Dienstagmorgen die Bänder für den ersten Warnstreik im Osten gestoppt worden. Mehr als 1.000 Mitarbeiter versammelten sich vor dem Werk mit Transparenten und Fahnen. Sie protestierten mit Pfeifkonzerten gegen die bislang ergebnislosen Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie. "Wir zeigen uns. Wir sind hier", sagte Leipzigs IG Metall-Chefin Sieglinde Merbitz. "Dies ist ein Signal in Richtung Arbeitgeberverband. Nicht gegen BMW", betonte sie.
In der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie gibt es keine Friedenspflicht. In Sachsen ist der Tarifvertrag am 28. Februar ausgelaufen. Bei BMW in Leipzig sind derzeit 2.300 Mitarbeiter beschäftigt. Das Werk war im Mai 2005 offiziell eröffnet worden. "Ihr habt die Feuertaufe bestanden", rief Merbitz den Mitarbeitern zu. Auch die BMW-Mitarbeiter selbst zeigten sich zufrieden mit der ersten Aktion in ihrem Werk. "Wir zeigen Zähne, wollen aber nicht zubeißen müssen", sagte sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, Karla Birkmann. Die Belegschaft stehe hinter den Forderungen der IG Metall. Sie seien gerecht.
"Wir wollen, dass die Leute in der Region bleiben. Wir kämpfen für Perspektiven für die Jugendlichen", sagte BMW-Werkerin Gabriela Quella (41). "Es geht nicht darum, dass wir mit unserer Arbeit oder unserer Bezahlung unzufrieden sind. Im Gegenteil, wir sind ein super Team hier." Der Zusammenhalt sei groß und solle genutzt werden für ein gemeinsames Vorgehen gegen den Arbeitgeberverband. Die Beschäftigten legten die Arbeit für knapp eine Stunde nieder.
Die Gewerkschaft will ihre Aktion in den kommenden Tagen in Sachsen fortsetzen. Bereits am Mittwoch ist laut IG Metall Chemnitz ein Warnstreik beim Automobilzulieferer Siemens VDO in Limbach-Oberfrohna geplant. Donnerstag soll es Aktionen bei VW in Zwickau/Mosel und bei der VW-Motorenfertigung in Chemnitz geben. Auch in anderen Bundesländern sind von Mittwoch an Warnstreiks vorgesehen. In Thüringen waren am Dienstagabend erste Aktionen geplant. Die IG Metall fordert für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie fünf Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber halten allenfalls 1,4 Prozent für vertretbar, haben aber noch kein formales Angebot vorgelegt. Die nächste Verhandlungsrunde in Sachsen gibt es am 4. April. (dpa-AFX)