Wolfsburg. Volkswagen wird sich von einem Teil seiner Komponentenwerke trennen und überarbeitet die Produktionsstrukturen. Bei seiner Strategiesitzung am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche hat der VW-Aufsichtsrat die vom Vorstand vorgestellten Schritte zur Verbesserung "zustimmend zur Kenntnis genommen". Wie Automobilwoche aus dem Aufsichtsrat erfuhr, strebt VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard mit Hochdruck eine bessere Auslastung des VW-Stammwerks Wolfsburg an. So prüft der Konzernvorstand nun die Verlagerung der Produktion des Kompaktwagens A3 der Tochtermarke Audi aus deren Werk Ingolstadt nach Wolfsburg. Dort muss VW dringend freie Kapazitäten auslasten. Denn im Zuge der "Großen Produktaufwertung" (GPA) des Golf Mitte 2008 soll die Durchlaufzeit des Modells von derzeit 54 Stunden "um mindestens 20 Prozent" gesenkt werden, so ein Insider. Damit würden in der schlecht ausgelasteten Fabrik ohne den A3 viele Arbeitskräfte frei.
Bei Audi-Chef Martin Winterkorn stoßen diese Pläne indes auf wenig Begeisterung: Künftig höhere Stückzahlen der Marke seien wegen der steigenden Produktivität in den Audi-Werken darstellbar, heißt es in Ingolstadt. Zudem lägen die Arbeitskosten in Wolfsburg rund 20 Prozent höher als bei Audi.
Auch für die unproduktiven VW-Komponentenwerke hat der Vorstand jetzt Lösungen aufgezeigt: So drängt Bernhard, der dem VW-Aufsichtsrat das Sanierungskonzept persönlich präsentierte, vor allem auf eine Ausgliederung der Lenkungsfertigung im Werk Braunschweig: VW sei weltweit der einzige OEM, der Lenkungen noch selbst herstelle.
Die Gießereibetriebe von Volkswagen will Bernhard personell erheblich reduzieren. In der VW-Fabrik Hannover etwa sollen Gießerei-Beschäftigte in die dort für 2009 geplante Produktion des Porsche-Coupés Panamera wechseln. Für Teile der Getriebefertigung im Werk Kassel wiederum will VW nach dem Vorbild von DaimlerChrysler und Ford Jointventure-Partner suchen.
Mögliche Änderungen am VW-Haustarifvertrag hingegen hat der Aufsichtsrat nicht erörtert. "Dies wird aus Rücksicht auf die Arbeitnehmervertreter erst das letzte Glied der Kette", so ein Aufseher. "Betriebsrat und IG Metall werden sich dann aber bewegen müssen." (kro/rei/feb) Foto: dpa