Frankfurt. Der Autobauer Volkswagen hat nach Ansicht von Analysten im ersten Quartal dank gestiegener Absatzzahlen und seines laufenden Sparprogramms mehr verdient. Viele Experten warnen jedoch, dass die Talsohle beim angeschlagenen Wolfsburger Auto-Hersteller keineswegs durchschritten sei und das im März angekündigte Umstrukturierungsprogramm nun endlich mit Leben gefüllt und umgesetzt werden müsse. VW wird seine Quartalsbilanz an diesem Freitag (28. April) vorlegen.
Die 16 von dpa-AFX befragten Analysten rechnen im Schnitt mit einem Umsatzanstieg von 21,12 Milliarden Euro im ersten Quartal 2005 auf nunmehr 23,92 Milliarden Euro. Bei operativen Ergebnis werden nach Sonderposten 827 (Vorjahr: 464) Millionen Euro erwartet und beim Vorsteuerergebnis 559 (Vorjahr: 121) Millionen Euro. Das Nachsteuerergebnis wird bei 362 Millionen Euro gesehen, vor einem Jahr waren es lediglich 70 Millionen Euro. Da nicht klar ist, wie hoch die Sonderposten für die Umstrukturierung ausfallen, weichen die einzelnen Schätzungen der Experten allerdings zum Teil stark voneinander ab.
Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte erst im März erklärt, die Höhe der negativen Sondereffekte für dieses Jahr, etwa durch die Umstrukturierung, seien noch nicht zu beziffern. Demgegenüber könnten zudem positive Sonderposten etwa durch den Verkauf der IT-Tochter Gedas oder der Autovermiertung Europcar stehen. Im ersten Quartal hatte der Konzern vor allem von einem deutlichen Absatzzuwachs profitiert. So gingen die Auslieferungen bei den Marken VW, Audi und Skoda zwischen knapp 16 und 18,5 Prozent nach oben.
Nach Ansicht von Lars Ziehn von der WestLB dürften zudem Währungsschwankungen im ersten Quartal keinen wesentlichen Einfluss gehabt haben, "da VW durch das Hedging auf Basis der aktuellen Euro-Dollar-Wechselkurse fast vollständig abgesichert ist." Auch die Markteinführungskosten für neue Modelle sollten laut Ziehn bedeutend niedriger als noch vor einem Jahr ausgefallen sein. Nach Einschätzung mancher Marktexperten aber könnten die jüngsten Absatzerfolge nur ein vorübergehender Lichtstreif am Himmel sein. Die Attraktivität des VW-Angebots werde bis zum kommenden Jahr nachlassen, da die bevorstehenden Neueinführungen weniger bedeutsam seien, sagt ein Frankfurter Analyst. "Der Restrukturierungsdruck wird daher nur erhöht."
Die meisten Beobachter drängen nun auf eine schnelle Lösung. "Die Potenziale sind seit Juli bekannt, aber wesentliche Strukturentscheidungen stehen noch aus", unterstreicht etwa Albrecht Denninghoff von der HVB in seiner jüngst veröffentlichten Analyse. Das Potenzial, das VW bisher genannt hat, lautet: eine Verbesserung des Vorsteuerergebnis bis zum Jahr 2008 um vier Milliarden auf dann 5,1 Milliarden Euro.
Von der anstehenden Restrukturierung könnten laut bisherigen Konzernangaben bis zu 20.000 Mitarbeiter bei der Kernmarke VW Pkw betroffen sein. Schwerpunkt sollen geringere Arbeitskosten und eine volle Auslastung der Werke sein, die auch durch Kapazitätsanpassungen erreicht werden soll. Zudem hat der Konzern Teile seiner Komponentenwerke auf den Prüfstand gestellt, wobei an der Getriebe- und der Motorenproduktion festgehalten werden soll. Derzeit verhandelt Volkswagen mit dem Betriebsrat über die einzelnen Maßnahmen. An Details wurde allerdings bisher nur wenig bekannt. Medienberichten zufolge plant VW etwa an seinen deutschen Standorten eine drastische Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich.
Die hohen Erwartungen an die Umstrukturierung, so sehen es unter anderem die Analysten von Sal Oppenheim, sind unterdessen in der VW-Aktie bereits eingepreist. Der Kurs hat sich binnen einen Jahres verdoppelt, seit Ende April 2005 stieg die Aktie von etwa 32 auf nun über 64 Euro. Aufwärtspotenzial für das Papier könnte nach Ansicht von HVB-Analyst Denninghoff nur noch eine Entscheidung über die vorzeitige Vertragsverlängerung für Konzernchef Pieschetsrieder geben. Diese schien in den vergangenen Wochen im Aufsichtsrat allerdings auf der Arbeitnehmerseite umstritten. Das Kontrollgremium will am 2. Mai, also einen Tag vor der Hauptversammlung, über die Verlängerung des im Frühjahr 2007 auslaufenden Vertrages entscheiden. Das Treffen wird mit großer Spannung erwartet. (dpa-AFX/mm)