Wolfsburg/Hamburg. Bei der Sanierung der Traditionsmarke Volkswagen hat der Betriebsrat erneut Kompromissbereitschaft bei einer möglichen Verlängerung der Arbeitszeit signalisiert. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte dem Magazin "stern" in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview, er werde eine Arbeitszeitverlängerung akzeptieren, wenn der Vorstand nachweisen könne, dass "genug Arbeit da ist". Als weitere Bedingung nannte er eine "Erfolgsbeteiligung" der Arbeitnehmer, wenn VW "wieder mehr Geld verdient". Der VW- Vorstand will die Wochenarbeitszeit von 28,8 auf 35 Stunden erhöhen.
Osterloh sagte, VW werde die geforderte Arbeitszeitverlängerung nicht zum Nulltarif bekommen. "Ich bin nicht gewählt worden, damit alle sechs Stunden länger arbeiten – und dadurch 17 Prozent der Kollegen überflüssig werden." Wenn aber das Unternehmen dem Betriebsrat beweise, dass eine Arbeitszeitverlängerung kompensiert werden könne, also genug Arbeit da sei, "dann machen wir mit". Der Betriebsratschef sagte, er wolle, dass der Standort erhalten bleibe. "Dafür werden wir Kompromisse eingehen müssen auch bei der Arbeitszeit. Und wenn das Unternehmen wieder mehr Geld verdient, wollen wir auf jeden Fall eine Erfolgsbeteiligung haben." Eine längere Wochenarbeitszeit gegen eine Gewinnbeteiligung könnte "ein Weg sein". Osterloh betonte zugleich, die Arbeitskosten bei VW machten nur 15 Prozent der Produktionskosten eines Fahrzeugs aus. 85 Prozent seien durch andere Faktoren bedingt. "Auch auf die müssen wir gucken." VW-Markenchef Wolfgang Bernhard sei in dieser Frage aber "gut unterwegs".
Bernhard, der als harter Sanierer gilt, steht bei vielen Arbeitnehmervertretern in der Kritik. Osterloh sagte, Bernhard habe "Stärken und Schwächen". Er gehe "sehr systematisch" die Probleme an und habe längst überfällige Entscheidungen getroffen. "Mit Wolfgang Bernhard macht sich hier endlich mal jemand Gedanken darüber, wie man ein Auto kostengünstiger bauen kann." Bei den anstehenden Tarifgesprächen gehe es um das "Überleben" von Volkswagen. Die VW-Führung will mit massiven Kostensenkungen, neuen Modellen und Stellenabbau die Probleme der Traditionsmarke angehen, die 2005 nur knapp den roten Zahlen entronnen war.
VW hatte mindestens 20.000 Jobs auf den Prüfstand gestellt. Sie sollen hauptsächlich auf freiwilligem Weg – etwa über Aufhebungsverträge und Altersteilzeit – abgebaut werden. Die von der VW-Führung gewünschte Rückkehr zur 35-Stunden-Woche lehnt die IG Metall bisher ab. Gewerkschaft und VW-Management wollen Anfang September Gespräche über mögliche Änderungen am Tarifvertrag führen.(dpa-AFX/tb)