Braunschweig. Fast zehn Monate nach Beginn der Ermittlungen in der VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten ist erstmals Vorstandschef Bernd Pischetsrieder als Zeuge vernommen worden. Wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Mittwoch mitteilte, ging es bei der gut einstündigen Befragung vor allem um die Verantwortlichkeiten des früheren VW-Arbeitsdirektors Peter Hartz und die Kostenstelle "1860". Pischetsrieder habe betont, dass eine Kontrolle des genannten Kontos durch ihn nicht stattgefunden habe, hieß es. Dafür sei Hartz zuständig und verantwortlich gewesen. Über das Konto "1860" sollen laut Staatsanwaltschaft privat veranlasste Kosten von Veranstaltungen über Volkswagen abgerechnet worden sein. Von besonderer Bedeutung sei dabei auch das von dem früheren VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer praktizierte Abrechnungswesen gewesen.
Die VW-Affäre war im Sommer 2005 ins Rollen gekommen. Als Schlüsselfiguren gelten Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster und Gebauer. Sie sollen mit Hilfe eines Netzes von Tarnfirmen Geld auf eigene Konten umgeleitet haben, das eigentlich VW zugestanden hätte. Durch solche Manipulationen sowie mit Eigenbelegen abgerechnete Lustreisen und Sexpartys unter anderem zur Begünstigung von Betriebsräten ist dem VW-Konzern millionenschwerer Schaden entstanden. Insgesamt gibt es in der Affäre zwölf Beschuldigte, darunter neben Schuster und Gebauer auch Hartz und der ehemalige Betriebsratschef Klaus Volkert. Sechs Ermittlungsverfahren sind inzwischen abgetrennt worden. Dabei geht es laut Staatsanwaltschaft um die Beschuldigten, die die Behörde eher am Rande des Geschehens sehe. Namen wurden nicht genannt.
Bei der Zeugenvernehmung Pischetsrieders seien "sämtliche Sachverhaltsbereiche" in der VW-Affäre angesprochen worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Über detaillierte Inhalte sei Stillschweigen vereinbart worden. Ende März hatte bereits der Vorgänger Pischetsrieders, der heutige VW-Aufsichtsratschef Piech, bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt. Auch Piech hatte gesagt, das Buchungskonto über sachwidrige Abrechnungen sei nicht unter seine Kontrolle gefallen. (dpa-AFX)