Düsseldorf - Nach dem Pilotabschluss in Nordtrhein-Westfalen ist ein Arbeitskampf in der deutschen Metall- und Elektroindustrie abgewendet worden. Arbeitgeber und IG Metall hatten sich am Samstag morgen in Düsseldorf nach mehr als 18 Stunden Verhandlung auf Einkommenserhöhungen von drei Prozent ab dem 1. Juni geeinigt.
Die IG Metall Berlin-Brandenburg will den Pilotabschluß von Nordrhein-Westfalen möglichst schnell übernehmen. "Das ist ein sozial gerechtes und volkswirtschaftlich vernünftiges Ergebnis", sagte der Sprecher der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Bernd Kruppa. "Wir sind sehr zufrieden." Er gehe davon aus, daß der Abschluß mit einem Plus von drei Prozent beim Einkommen schon in den nächsten Tagen für Berlin und Brandenburg übernommen werde.
Beim Verband der Metall- und Elektroenergie Berlin-Brandenburg hieß es, man sei "erleichtert", daß ein Arbeitskampf abgewendet wurde. "Wir prüfen nun, ob wir den Abschluß übernehmen", sagte ein Sprecher gegenüber der Berliner Morgenpost. Allerdings wird bei vielen Arbeitgebern der Branche in Berlin und Brandenburg das NRW-Ergebnis als "an der Schmerzgrenze" empfunden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstrich, es sei gut, daß ein Arbeitskampf habe abgewendet werden können. IG-Metall-Chef Jürgen Peters nannte die erreichte Verhandlungslösung einen "Kompromiß mit Augenmaß" und betonte, daß die gefundene Lösung in den anderen Bezirken übernommen werde. Dort würden jetzt unverzüglich wieder Verhandlungen zur Übernahme des Abschlusses aufgenommen. Der Gewerkschafter sprach von einem "sehr brauchbaren Ergebnis". Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte, der Abschluß liege am oberen Rand der wirtschaftlichen Möglichkeiten.
Bei der Einmalzahlung vereinbarten die Tarifpartner erstmals den Einstieg in eine flexible Entlohnung. Die Betriebe können, je nach wirtschaftlicher Lage, von den 310 Euro nach unten und nach oben abweichen. Dabei seien Beträge zwischen null und 620 Euro möglich. "Wir werden sehen, wie sich das Modell in der Praxis bewährt", sagte Kannegiesser. Allerdings müssen sich Unternehmensleitung und Betriebsräte einvernehmlich auf solche Abweichungen nach oben und unten verständigen. Die Arbeitgeber hatten im Vorfeld der Verhandlungen mehrfach betont, eine solche Konjunkturkomponente in den Tarifgesprächen aushandeln zu wollen.
Die IG Metall hat einen bundesweiten Kompromiß davon abhängig gemacht, daß auch eine Lösung für die von den Arbeitgebern gekündigte Pausenregelungen gefunden wird. Wegen des Wegfalls der nach dem früheren Gewerkschaftschef Franz Steinkühler benannten Pausen für Akkord- und Bandarbeiter hatte sich eine Einigung in Baden-Württemberg hingezogen. Nach der Tarifeinigung wollen jetzt Arbeitgeber und Gewerkschaft auch für Baden-Württemberg das letzte Hindernis aus dem Weg räumen. Dazu wollten die Spitzen beider Seiten am Sonnabend nachmittag in Düsseldorf zusammenkommen. (feb/dpa) Foto: dpa