Detroit. Der weltgrößte Autohersteller General Motors (GM) sieht trotz der Probleme im Nordamerikageschäft und tiefroter Zahlen Licht am Horizont: Auf operativer Basis und unter Ausklammerung von Sonderfaktoren schaffte der Opel-Mutterkonzern im 2. Quartal erstmals seit langem einen Milliardengewinn. Unter dem Strich verbuchte GM allerdings einen Verlust von 3,2 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro).
Die Wall Street zeigte sich von den GM-Ergebnissen beeindruckt. Die GM-Aktien legten deshalb vorbörslich deutlich um 4,21 Prozent auf 31,95 Dollar zu. In dem GM-Verlust waren Sonderbelastungen von insgesamt 4,3 Milliarden Dollar oder 7,66 Dollar je Aktie enthalten. GM hatte allein Sonderkosten von 3,7 Milliarden Dollar für Frühruhestandsprogramme verbucht, von denen 34.400 heimische Beschäftigte Gebrauch gemacht hatten. Der Quartalsverlust pro Aktie betrug 5,62 (Vorjahr: 1,75) Dollar, teilte GM am Mittwoch in Detroit mit. GM hatte im entsprechenden Vorjahresabschnitt rote Zahlen von 987 Millionen Dollar ausgewiesen. Unter Ausklammerung von Sonderfaktoren erzielte der Branchen- Primus im zweiten Quartal einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar oder 2,03 Dollar je Aktie. Die Gesellschaft hatte auf dieser Basis im vergangenen Jahr einen Verlust von 231 Millionen Dollar oder 41 Cent je Aktie verbucht.
Der Quartalsumsatz stieg kräftig um 12,2 Prozent auf 54,4 Milliarden Dollar. Der GM-Autoabsatz fiel weltweit auf 2,4 (2,6) Millionen Stück. GM lieferte in Nordamerika nur noch 1,3 (1,5) Millionen Autos aus. In Europa verkaufte GM 547.000 (554.000) Autos. GM-Konzernchef Rick Wagoner wird von Großaktionär Kirk Kerkorian zu einer Allianz mit Renault und Nissan gedrängt. Die Chancen für einen solchen Verbund werden zur Zeit von den drei Autoriesen in einer 90-tägigen Prüfungsperiode untersucht. Der Halbjahresumsatz erhöhte sich auf 106,6 (94,2) Milliarden Dollar. GM hatte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Verlust von 2,7 (2,2) Milliarden Dollar oder 4,83 (3,96) Dollar je Aktie.
GM hatte im Gesamtjahr 2005 einen Monumentalverlust von 10,6 Milliarden Dollar. GM verbuchte unter Ausklammerung von Sonderfaktoren im zweiten Quartal 2006 im Autogeschäft einen operativen Gewinn von 362 Millionen Dollar, was auf eine Verbesserung von 1,3 Milliarden Dollar hinauslief. GM Nordamerika hatte auf dieser Basis nur noch einen Verlust von 85 Millionen Dollar, was eine Besserung von 1,1 Milliarden Dollar gegenüber dem zweiten Quartal 2005 bedeutete. Der GM-Chef hob das Kostenersparnis-Ziel für Nordamerika auf Jahresbasis von acht auf neun Milliarden Dollar an. "Wir haben in der ersten Jahreshälfte solide Fortschritte bei der Umsetzung unseres Restrukturierungsplans für Nordamerika gemacht", erklärte er. Dies werde sich in der zweiten Jahreshälfte noch beschleunigen.
GM Europe vervierfachte den operativen Quartalsgewinn unter Ausklammerung von Sonderfaktoren von 30 auf 124 Millionen Dollar. Dies sei auf niedrigere Rohstoffkosten und bessere Preise zurückzuführen. "Unser europäische Geschäft gewinnen an Fahrt. Sie haben das zweite profitable Quartal gehabt, wenn man Sonderfaktoren ausklammert", betonte der GM-Boss. Er verspricht sich viel von dem neuen Opel/Vauxhall Corsa, der im Herbst kommen soll. Die Finanztochter GMAC hatte im zweiten Quartal einen Rekordgewinn von 898 Millionen Dollar. Wagoner hofft, dass der Verkauf einer 51– prozentigen Beteiligung an GMAC bis Jahresende vollzogen wird. (dpa/tb)