Detroit. Der Verwaltungsrat des angeschlagenen Opel-Mutterkonzerns General Motors hat für Sondierungs- gespräche mit den Konkurrenten Renault und Nissan über eine mögliche Allianz grünes Licht gegeben. Der US-Milliardär und GM-Aktionär Kirk Kerkorian, auf dessen Verlangen hin das Gremium beriet, sprach von einem "guten ersten Schritt". Arbeitnehmervertreter von General Motors (GM) und Renault bekräftigten unterdessen ihre Ablehnung gegen eine engere Zusammenarbeit der Autokonzerne. Die US-Automobilarbeitergewerkschaft UAW sprach am Samstag von einer "weiteren Erosion guter Jobs" falls es zu diesem Dreierbündnis kommen sollte. GM streicht im Zuge der Sanierung 35 000 Stellen in den USA.
Der GM-Verwaltungsrat hat Unternehmenschef Rick Wagoner mit den Gesprächen beauftragt. Die Verwaltungsräte von Renault und Nissan hatten solche Diskussionen mit GM bereits gebilligt. In Paris teilte Renault am Freitagabend mit, dass jetzt alle Bedingungen gegeben seien, "Sondierungsgespräche" zu beginnen. Wagoner und der Chef der Gruppe Renault-Nissan Carlos Ghosn werden voraussichtlich am 14. Juli in den USA zusammentreffen.
Kerkorian hatte GM zu diesem Schritt gedrängt, um den angeschlagenen Autobauer aus seiner schwierigen Lage zu bringen. Ihm gehen die Sanierungsbemühungen Wagoners nicht schnell und weit genug. Kerkorian hält über seine Investmentfirma Tracinda 9,9 Prozent der GM-Aktien. "Wir wollen offen in die Gespräche mit den Führungsspitzen von Renault und Nissan gehen", sagte GM-Chef Wagoner. "Angesichts der Komplexität einer möglichen Beziehung muss man vorsichtig die Chancen abwägen, bevor man eine Entscheidung trifft."
Eine Allianz zwischen dem weltgrößten Autohersteller GM, dem französischen Autohersteller Renault und der japanischen Nissan- Gruppe würde einen Verbund von Autofirmen mit einem globalen Autoabsatz von 15 Millionen Autos und einem Marktanteil von rund 25 Prozent bedeuten. Ob und in welcher Form es dazu kommen wird, ist jedoch nach Ansicht amerikanischer Autoexperten völlig offen.
"Ich bin sehr, sehr besorgt, dass eine Allianz negativen Einfluss insbesondere für unsere Beschäftigten in Entwicklung und Produktion haben wird", sagte der Chef des GM-Betriebsrates für Europa, Klaus Franz, der Branchenzeitung "Automotive News Europe" (Montag). Franz, der auch dem Opel-Gesamtbetriebsrat vorsteht, sieht starke Überschneidungen der Modellpaletten der GM-Tochter Opel und Renault. Auch Philippe Noel, Sekretär der Gewerkschaft CGT, der wichtigsten Gewerkschaft bei Renault, sieht eine Partnerschaft zwischen dem französischen Autobauer und dem weltgrößten Autokonzern skeptisch. "Eine Allianz mit GM scheint verfrüht", sagte Noel der Zeitung. "Die Vorteile der Allianz zwischen Renault und Nissan sind noch nicht gehoben, insbesondere beim Absatz." "Wir sehen eine weitere Erosion guter Jobs in diesem Land, falls dies zustande kommen sollte", zitierte die "Detroit News" am Samstag in ihrer Onlineausgabe den Präsidenten der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger. Der gesamte zukünftige Charakter der Autoindustrie werde hierdurch bestimmt. Gettelfinger glaubt aber nicht an eine Allianz. Wagoner mache einen guten Job und habe ein großartiges Team, sagte er.
GM hatte im vergangenen Jahr wegen seines schlechten US- Autogeschäfts einen Verlust von 10,6 Milliarden Dollar verbucht. Im Zuge des GM-Sanierungsplans werden 35 000 Stellen gestrichen und ein Dutzend nordamerikanischer Fabriken geschlossen. GM hat mehrere Beteiligungen an ausländischen Autokonzernen verkauft und trennt sich von der Mehrheitsbeteiligung an seiner lukrativen Finanztochter GMAC zu veräußern. (dpa/feb)