Detroit. Beim Autobauer General Motors (GM) haben 13.000 Beschäftigte Verträge zur Frühverrentung unterzeichnet. Die Kosten des Programms dürften sich laut GM auf 3,8 Milliarden Dollar belaufen. Ein Großteil dieser Belastung soll bereits im zweiten Quartal verbucht werden. Die Einsparungen werden von GM auf acht Milliarden Dollar geschätzt. Fünf Milliarden Dollar davon sollen noch in diesem Jahr realisiert werden.
General Motors hatte im vergangenen November angekündigt, wegen der hohen Überkapazitäten in Nordamerika bis Ende 2008 insgesamt zwölf Werke zu schließen und 30.000 von insgesamt 113.000 Stellen abzubauen. Der Konzern, der im US-Geschäft tiefrote Zahlen schreibt, hatte seinen Mitarbeitern großzügige Abfindungsangebote unterbreitet. So erhält ein Beschäftigter mit einer Betriebszugehörigkeit von mindestens zehn Jahren eine Summe von 140.000 Dollar. Wer unter zehn Jahren im Konzern gearbeitet hat, geht immerhin noch mit 70.000 Dollar nach Hause. Die Frühverrentung wurde Mitarbeitern mit einer Betriebszugehörigkeit von mindestens 26 Jahren angeboten, normalerweise geht ein GM-Mitarbeiter mit 65 Jahren und 30 Jahren Tätigkeit für den Konzern in den Ruhestand. Mit dem früheren Ausscheiden entfallen allerdings – mit Ausnahme der Pension – sämtliche übrigen Ansprüche an den Konzern.
General-Motors-Chef Rick Wagoner zeigte sich am Montag von der hohen Resonanz überrascht und erfreut: "Wir haben in den vergangenen Monaten eine gute Sache bei der Umsetzung unserer Strategie gemacht, den Konzern schlagfertiger und globaler zu machen und ihn besser auf langfristigen Erfolg vorzubereiten", sagte er. Das Abfindungsangebot war am vergangenen Freitag ausgelaufen. Laut Konzernangaben entschieden sich rund 4.600 für Auflösungszahlungen. Mit mehr als 30.000 Beschäftigten wurde eine Vorruhestandsregelung vereinbart. 9.000 hiervon hätten bereits das Unternehmen verlassen, der Rest werde voraussichtlich bis Ende des Jahres gehen.
Auch bei der früheren Tochter Delphi hatte es ähnliche Abfindungsangebote gegeben. Weil der Zulieferer sich in der Insolvenz befindet, müssen allerdings noch die Richter zustimmen. Durch den unerwartet schnellen Exodus so vieler Mitarbeiter könnte General Motors aber nach Einschätzung von Experten nun auch bei der Aufrechterhaltung der laufenden Produktion in Schwierigkeiten kommen. Auch auf die Qualität könne dies Auswirkungen haben, glauben Beobachter. Konzernchef Wagoner wiegelte solche Befürchtungen allerdings ab: "Wir haben das gut im Griff."
In Europa trifft der Konzern unterdessen auf den Widerstand seiner Mitarbeiter. Nach dem Abbau von etwa 12.000 Stellen bei den Töchtern Opel, Saab und Vauxhall erwägt der Konzern nun weitere Produktionsverlagerungen, Jobkürzungen und Werksschließungen. Eine Entscheidung über das Aus des Werkes im portugiesischen Azambuja wurde jüngst verschoben. Seit gut zwei Wochen protestieren nun an den europäischen GM-Standorten die Mitarbeiter gegen die neuen Sparpläne des Konzerns. (dpa-AFX/mm)