Stuttgart. Der Stuttgarter Automobilkonzern DaimlerChrysler plant keine Verlagerung von Verwaltungsjobs in Billiglohnländer. "Indien ist keine Option, über die wir verhandeln", sagte eine Unternehmenssprecherin am Montag. Die "Stuttgarter Zeitung" hatte unter Berufung auf Betriebsratschef Erich Klemm geschrieben, der Konzern erwäge, seine Buchhaltung aus Kostengründen auszulagern. "Für die Betriebsbuchhaltung gibt es offizielle Überlegungen der Unternehmensseite, dass dafür auch Standorte in Tschechien oder Indien in Frage kommen könnten", sagte Klemm der Zeitung.
Die Arbeitnehmervertretung und der Vorstand setzten am Montag ihre Verhandlungen über einen so genannten Interessenausgleich im Zusammenhang mit dem Sparprogramm von Konzernchef Dieter Zetsche fort. Zetsche will bis 2008 weltweit rund 6.000 Stellen in Management und Verwaltung streichen, davon etwa 3.200 in Deutschland. Der Betriebsrat lehnt eine Auslagerung von Verwaltungsstellen strikt ab. "Wenn das Unternehmen eine neue Organisation schafft, die zu Personalüberhängen führt, darf man diese nicht dadurch verschärfen, dass Arbeiten nach außen vergeben werden", sagte Klemm. "Deshalb ist es für uns eine zentrale Frage, dass Outsourcing im Interessenausgleich ausgeschlossen wird." Die Unternehmensleitung von DaimlerChrysler verhandelt seit Wochen mit dem Betriebsrat über die Umsetzung des Neuen Management Modells (NMM), wie Zetsches Plan offiziell heißt. Während etliche Manager bereits mitgeteilt bekommen haben, dass ihr Arbeitsplatz künftig entfällt, verhandelt der Betriebsrat vor allem über die Veränderung der Arbeitsplätze für die von der Beschäftigungssicherung bis 2012 geschützten Arbeitnehmer.
Laut "Stuttgarter Zeitung" soll die Strategie künftig ausschließlich in der Zentrale entwickelt und Kompetenzen von den Standorten dorthin verlagert werden. Außerdem sollen bislang an verschiedenen Standorten existierende Verwaltungsfunktionen an einem Ort gebündelt werden (Shared Service Center). Nach Ansicht von Klemm ist das von DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche geplante Managementmodell das "größte Umstrukturierungsprogramm, das es je in diesem Bereich gegeben hat". Mit der Umsetzung will der Konzern zum 1. August beginnen, 60 Prozent der Neuorganisation sollen noch 2006 realisiert werden. Doch der Betriebsratschef droht mit einem Veto: "Wir sagen: Ohne Interessenausgleich geht das nicht." Sollte es jedoch auch nach Anrufen der Einigungsstelle zu keiner Einigung über einen Interessenausgleich kommen, könne das Unternehmen die geplanten Maßnahmen durchführen, heißt es in Kommentaren zum Betriebsverfassungsgesetz. (dpa/tb)