Stuttgart. Der im Umbau befindliche Autobauer DaimlerChrysler hat im zweiten Quartal nach Einschätzung von Analysten dank neuer Modelle bei Mercedes und einer guten Nachfrage im Lastwagengeschäft Zuwächse verbucht. So sollen Umsatz und operativer Gewinn zulegen. Belastend dürften unter anderem der Personalabbau bei der Mercedes Car Group und der starke Wettbewerbsdruck in Nordamerika wirken, unter dem die US-Tochter Chrysler zu leiden hat. DaimlerChrysler legt am kommenden Donnerstag (27. Juli) seine Zahlen für das zweite Quartal vor.
Den Aufwärtstrend schreiben die Experten vor allem dem deutlich besseren Abschneiden bei Mercedes im ersten Halbjahr zu. Die Kernmarke hatte im ersten Halbjahr unter anderem dank des guten Starts der neuen S-Klasse ein Absatzplus von 13 Prozent auf 565.300 (Vorjahr: 499.900) Autos verbucht. Weitere Impulse erhofft sich das Unternehmen überdies von der kürzlich gestarteten, neuen E-Klasse. Die Sparte Mercedes Car Group mit den drei Marken Mercedes-Benz, Maybach und Smart legte zwischen Januar und Ende Juni um knapp neun Prozent auf 627.300 Fahrzeuge zu. Probleme macht hier allerdings weiter die defizitäre Kleinwagenmarke Smart.
m Schnitt gehen die elf von dpa-AFX befragten Analysten für den Zeitraum April bis Ende Juni von einem Umsatzzuwachs von 38,423 Milliarden Euro im Vorjahr auf 39,993 Milliarden Euro aus. Das operative Ergebnis soll von 1,671 auf 1,707 Milliarden Euro steigen. Die Schätzungen beinhalten Sonderbelastungen für das neue Management-Modell, den Personalabbau und die Sanierung von Smart in Höhe von rund 200 Millionen Euro. Unterm Strich erwarten die Experten einen Gewinn von 844,8 Millionen Euro nach 737 Millionen im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie (EPS) soll bei 0,84 Euro (Vorjahr: 0,73) liegen.
Unter den einzelnen Sparten dürften nach Einschätzung der Experten vor allem die Mercedes Car Group (MCG) und die neu geformte Lastwagensparte (Truck Group) besser abgeschnitten haben. So soll der operative Gewinn von MCG von zwölf Millionen Euro im Vorjahr auf durchschnittlich 482,4 Millionen Euro springen. Im vergangenen Jahr hatten noch hohe Aufwendungen für Smart und Probleme bei Mercedes den Gewinn belastet nur einen knappen Sprung in die schwarzen Zahlen zugelassen. Das operative Ergebnis der Lastwagensparte soll sich dank der weltweit regen Nachfrage nach Nutzfahrzeugen von 410 auf 473,8 Millionen Euro verbessern. Zur neu geschmiedeten Truck Group gehören Freightliner, unter dessen Dach auch die Marken Sterling und Western Star firmieren, Mercedes-Benz sowie die japanische Fuso. Die Sparte Financial Services sollte ihr Ergebnis von 385 auf 400,8 Millionen Euro verbessern. Kaum mit Fortschritten rechnen die Analysten hingegen im Bereich Vans und Busse. Der operative Gewinn wird hier bei 278,7 Millionen Euro gesehen nach 277 Millionen Euro im Vorjahr.
Der Druck auf den US-Autobauer Chrysler dürfte wieder gestiegen sein. So rechnen die Analysten im Schnitt nur mit einem operativen Gewinn in Höhe von 105,6 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Sparte noch ein Plus von 544 Millionen Euro erwirtschaftet. Chrysler habe vor allem mit hohen Lagerbeständen und steigendem Preisdruck auf dem US-Markt zu kämpfen, schreibt die WestLB in einer Studie. Oppenheim Research sieht in Chrysler sogar "den limitierenden Faktor" für weiteres Wachstum. Mit einer Änderung oder Präzisierung des bisherigen Ausblicks rechnen die meisten Analysten nicht.
DaimlerChrysler hat für 2006 einen operativen Ertrag von mehr als sechs Milliarden Euro nach 5,2 Milliarden im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt. Der Absatz soll sich etwa auf Vorjahresniveau bewegen. Der Umsatz soll nach 149,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr nur leicht steigen. (dpa-AFX/mm)