München. Nach einer Krisensitzung des Continental-Aufsichtsrats ist Elmar Degenhart am heutigen Mittwoch, wie bereits erwartet, zum neuen Vorstandschef des Hannoveraner Konzerns gekürt worden. Der bisherige Automotive-Chef der Schaeffler Gruppe löst damit Karl-Thomas Neumann ab, der nach einem Machtkampf mit Conti-Großaktionär Schaeffler abberufen wurde. Damit ist ein Eklat wie bei der vorherigen Sitzung im Juli vermieden worden, als sich die Arbeitnehmervertreter im Conti-Aufsichtsrat noch gegen eine Abberufung Neumanns zur Wehr gesetzt hatten.
Doch auf Degenhart warten enorme Herausforderungen. Einerseits wird er dem Misstrauen auf Conti-Seite begegnen müssen, als verlängerter Arm von Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger zu fungieren. Mit diesem hatte er in den 90-er Jahren gemeinsam beim Autozulieferer ITT gearbeitet. Zudem warten mit der milliardenschweren Last aus der VDO-Übernahme und den nach wie vor ungelösten Problemen in der Powertrainsparte von Conti weitere große Aufgaben auf ihn.
Es spricht einiges dafür, dass mit Degenhart und den anderen Personalentscheidungen der jüngsten Conti-Aufsichtsratssitzung die beiden Unternehmen nun in ein ruhigeres Fahrwasser kommen. Eine Garantie ist das jedoch keineswegs. Dafür haben sich Conti und Schaeffler im Machtkampf um das Sagen in den vergangenen Monaten zu viele Wunden zugefügt. Auch Neumann wurde vor nicht allzu langer Zeit noch als Hoffnungsträger für ein Miteinander zwischen den beiden Konzernen gepriesen. Vielleicht kann Degenhart auch Manfred Wennemer, seinen Vor-Vorgänger auf dem Conti-Chefsessel eines Besseren belehren, der ihn mehr für einen Bürokraten als für einen Unternehmer hält.