Hannover/Herzogenaurach. Ein halbes Jahr nach dem Start der Conti-Übernahme spitzt sich die Lage der Schaeffler-Gruppe zu: Die Franken drücken elf Milliarden Euro Schuldenlast. Das Unternehmen arbeitet gemeinsam mit den Banken an einem Konzept, um staatliche Hilfen zu erhalten. Schaeffler besitzt 49,9 Prozent der Conti-Aktien und hat weitere 40 Prozent bei Banken geparkt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat als Voraussetzung für staatliche Hilfen ein tragfähiges Konzept sowie einen Eigenbeitrag der Eigentümerfamilie Schaeffler und der beteiligten Banken verlangt. Schaeffler strebt „eine zeitlich begrenzte finanzielle Überbrückung“ an. Bei der Eigenkapitallücke geht es um rund vier Milliarden Euro, die aus dem Konjunkturpaket II fließen sollen.
Darüber entscheidet der Bundesrat am 20. Februar. Laut Berliner Regierungsreisen will der Bund nicht mit Kapital bei den Franken einsteigen. Dies lehnt selbst IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer „aus Gründen der Wettbewerbsverzerrung“ ab. Nach Angaben aus Bankenkreisen läuft Schaeffler Gefahr, ohne Finanzspritze seine Kreditbedingungen schon im Sommer zu brechen. Im schlimmsten Fall geht es dann um die Existenz des Unternehmens. Deshalb ist der Zulieferer auf der Suche nach Investoren, die sich am Automobilgeschäft von Conti/Schaeffler beteiligen sollen.
Unterstützt wird die Schaeffler- Führung dabei von Arbeitnehmervertretern. In einem offenen Brief an verschiedene Ministerien auf Bund- und Länderebene hat der Gesamtbetriebsrat darum gebeten, den „Einsatz von Staatshilfen zu prüfen“. Die Schieflage sei aus eigener Kraft nicht mehr zu meistern. Allerdings mehren sich die Stimmen derjenigen, die Staatshilfen für Schaeffler ablehnen. Bosch-Chef Franz Fehrenbach sieht einen Rettungsschirm für einzelne Unternehmen „als einen zu massiven Eingriff des Staates“ an.