Săo Paulo. Lateinamerikas Automobilindustrie ist nach dem Krisenjahr 2009 wieder deutlich erholt. Vor allem in Brasilien ist Wachstum angesagt: Das größte Land des Kontintens könnte in Bezug auf den Autoabsatz Deutschland in diesem Jahr zum ersten Mal überholen. Aber auch Mexiko ist auf dem Weg der Besserung. In Kolumbien und Venezuela dagegen gehen Experten von einer Stagnation im Automarkt aus.
Deutliche Zinssenkungen der brasilianischen Banken und einfachere Kreditmöglichkeiten für breitere Bevölkerungsschichten haben in Brasilien ein günstiges Konsumklima geschaffen. "Brasilien ist ein Schwellenland, das langsam älter wird, während Deutschland schon ein reifer Markt ist," sagt Jeff Schuster, Leiter der Prognoseabteilung beim Marktforscher J.D. Power in Brasilien.
Schuster und ebenso die Analysten vom Prognoseinstitut IHS Global Insight gehen deshalb davon aus, dass Brasilien Deutschland noch in diesem Jahr beim Autoabsatz überholen wird. Denn in Deutschland werden in diesem Jahr kaum mehr als 3,0 Millionen Neuwagen verkauft, während Brasilien schon im Vorjahr auf 3,4 Millionen kam und weiter auf Wachstumskurs ist.
Dem starken brasilianischen Inlandsmarkt war es zu verdanken, dass die Produktion in Brasilien 2009 nicht abstürzte, sondern ungefähr auf Vorjahresniveau blieb. Die wichtigsten Produzenten sind dort VW, Fiat, GM und Ford. Die asiatischen Hersteller sind noch nicht so präsent wie in anderen Ländern. Toyota, Hyundai und das chinesische Unternehmen Chery planen aber große Produktionsanlagen.
Brasilien wird zunehmend zum Entwicklungszentrum für kompakte Kleinwagen mit niedrigem Schadstoffausstoß. Ethanolantrieb gehört in Brasilien längst zum Alltag, mehr als 94 Prozent der Neufahrzeuge sind mit entsprechend geeigneten Motoren ausgestattet.
Dieselantrieb ist dagegen für Pkws verboten und unterliegt bei Lkw ansteigenden Beimischungsquoten von Biodiesel. Alle Hersteller haben in diesem Bereich Investitionen in Milliardenhöhe angekündigt.