Detroit. Die dröhnenden Ankündigungen, blitzenden Lichter und dampfenden Nebelschwaden bei den Shows auf der Detroit Autoshow sind 2010 wieder lauter, greller und peinlicher geworden als 2009, im Jahr der Totenmesse für die US-Autobranche. Wer mit offenen Augen über die Messe geht, wird sich nicht der Meinung von US-Verkehrsminister Ray LaHood anschließen können. "Hier und heute findet der Neubeginn für die Automobilindustrie statt", sagte der US-Minister bei der Eröffnungszeremonie in der Cobo-Hall. Und Nancy Pelosi, die mächtige Sprecherin des Repräsentantenhauses, zeigte sich nach einem ausführlichen Messerundgang restlos begeistert: "Wir haben eine Wiedergeburt gesehen."
Wir haben im Prinzip das Gleiche gesehen wie der Minister und die Ministerin - aber wir ziehen daraus andere Schlüsse. Es reicht eben nicht aus, Zukunftsoptimismus aus der Tatsache zu ziehen, dass in diesem Jahr wieder 61 Aussteller in Detroit vertreten sind, zehn mehr als 2009. Auch die erstmals gestartete "Electric Avenue", ein eigener Messebereich für Anbieter reiner Elektroautos, muss eher als Zugeständnis an den Zeitgeist gewertet werden, denn als Aufbruch in eine neue Ära. Denn bis auf den Nissan "Leaf" wurden dort keine massentauglichen Fahrzeuge gezeigt, sondern wieder einmal nur Konzepte und Versuchsträger, wie sie in Frankfurt, Genf und Paris schon seit Jahren zu sehen sind.
Ein "Neubeginn" dürfte auch schwerlich die Ankündigung darstellen, nach zwei Jahren krisenbedingtem Entwicklungsstopp wieder rund eine Milliarde Dollar in eine neue Pick-up-Generation zu investieren (General Motors). Und ist es ein "Neubeginn", wenn Ford mit Hilfe von Größen aus dem Showbusiness die 46. Neuauflage seiner Sportwagenikone Mustang vorstellt - ein Fahrzeugkonzept, das schon bei seinem Start im Jahr 1964 technisch überholt war? Wohl kaum.