Bonn. Die Rückkehr von General Motors auf das Börsenparkett ist gelungen. An der New Yorker Börse sorgte eine muntere Nachfrage nach den GM-Papieren am ersten Handelstag für ein Plus von 3,6 Prozent. Das ist mehr, als viele Branchenexperten vor wenigen Wochen noch zu hoffen glaubten.
Wer nun, wie US-Präsident Barack Obama, von der "Wiedergeburt der amerikanischen Autoindustrie" und einer "Erfolgsgeschichte" schwärmt, verwechselt allerdings die Finanzwelt mit den Gesetzen des industriellen Wettbewerbs. Der US-Präsident und mit ihm seine Landsleute feiern den GM-Börsengang auch deshalb so überschwänglich, weil damit die schwerste Wirtschaftskrise des Landes bewältigt zu sein scheint. Doch diese Sicht ist weit mehr Wunschgedanke als ökonomische Realität.
Durch die Insolvenz konnte sich General Motors massiv von Schulden befreien, unrentable Werke schließen, schwache Marken einstellen und zehntausende Mitarbeiter entlassen. Investoren fliegen auf solche Nachrichten. Doch die Autos von GM werden nicht von den Investoren gekauft, sondern von den Kunden - und in diesem zentralen Punkt sieht es da für GM nicht grundsätzlich besser aus als vor der Krise. Der Abstand zu Toyota und Volkswagen ist in den zwei Krisenjahren nicht kleiner geworden, sondern größer. Nichts zeigt das besser als das Vorzeigeprojekt Volt beziehungsweise Ampera: Ein einzelnes Projekt, technisch ein Leckerbissen, das aber nichts zu tun hat mit einer Konzernstrategie und viele Millionen Dollar Entwicklungsgelder verschlungen hat, die niemals mehr erwirtschaftet werden.
Wieder einmal könnten die US-Amerikaner ihren alten Fehler wiederholen, die Lage auf dem Heimatmarkt zu verwechseln mit ihrer Position in der Welt. Tatsächlich hat New GM in der US-Verkaufsstatistik eine beeindruckende Erholung erfahren - doch weltweit ist man vom Selbstverständnis als ehemalige Nummer Eins in der Autowelt weit entfernt. Ein Pluspunkt ist dabei die Präsenz von GM in China, und genau diesen Aspekt honorierten nun auch die Investoren.
Dennoch bleibt New GM noch den Beweis schuldig, dauerhaft Erträge erwirtschaften zu können und sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Auch Opel muss dies noch in Europa zeigen. Nicht zuletzt sollte in der Euphorie über einen gelungenen ersten Börsentag nicht vergessen werden, dass die GM-Aktien noch um mehr als 60 Prozent zulegen müssten, damit die Verluste der US-Steuerzahler zumindest wieder ausgelichen wären.
In all dem Trubel ging fast unter, wie ausgerechnet der US-Verkaufschef von GM, Mark Reuss, den Börsengang kommentierte: "Das einzige, über das wir uns heute freuen können, ist, dass wir Fortschritte machen - und dass der Steuerzahler uns eine zweite Chance gegeben hat." Vielleicht wird aus New GM tatsächlich noch eine Erfolgsgeschichte - dank solch realistischer Selbsteinschätzungen.