Herzogenaurach. Die Geschäfte Schaefflers sind im vergangenen Jahr prächtig gelaufen. Und auch 2011 wird es für den Zulieferer um Unternehmens-Chef Jürgen M. Geißinger weiter aufwärts gehen. Doch viel wichtiger ist, dass der Zulieferer seinen direkt und indirekt an Continental gehaltenen Gesamtanteil von 75,2 Prozent auf 60,3 Prozent reduziert hat. Mit dem Anteil von 49,9 Prozent der Schaeffler-Familie und den bei den bei zwei Privatbanken verbliebenen 10,4 Prozent ist der Streubesitz von 24,9 auf 39,7 Prozent angestiegen. Das eröffnet Conti die Perspektive wieder Aufnahme in den Deutschen Aktienindex Dax 30 zu finden. Im Falle einer Rückkehr ergibt sich so weiteres Kurspotenzial für das Conti-Papier, da Investmentfonds in ihrem Portfolio die Zusammensetzung des Dax berücksichtigen müssen.
Mit dem erzielten Verkaufserlös des Conti-Aktienpaktes in Höhe von 1,8 Milliarden Euro und weiteren Maßnahmen konnte der Wälzlagerhersteller Schaeffler den Schuldenberg der Holding senken. Positiver Nebeneffekt: Geringere Zinszahlungen. Denn in der Spitze musste das Unternehmen aus Herzogenaurach Zinsen von bis zu horrenden 17 Prozent an die Banken zahlen. Nun sinkt die Zinsbelastung auf weniger als zehn Prozent.
Doch auch wenn der Verkauf der Conti-Aktien ein richtiger Schritt war, um sich Luft beim Abbau der drückenden Zinslast zu verschaffen, lastet immer noch ein Milliardenberg an Schulden auf den Franken. Neben den Zinszahlungen haben die Banken bei der Schaeffler-Umschuldung im Jahr 2009 zudem ein Wertsteigerungsrecht vereinbart, von dem sie nun profitieren. Und nicht zu vergessen, die Möglichkeit von Schaeffler über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag Zugriff auf die Kasse von Conti zu haben, ist nach dem Verlust der dafür nötigen 75-Prozent-Beteiligung verwirkt.