Göteborg. Volvo-Chef Stefan Jacoby sucht einen neuen Partner für den schwedischen Autobauer, der die bisherige Rolle des ehemaligen Volvo-Eigentümers Ford als Motorenlieferant übernimmt. Zudem kündigte Jacoby im Gespräch mit der Automobilwoche härtere Preisgespräche mit den Lieferanten von Volvo an. "Wir müssen unsere Kosten reduzieren. Bisher galten wir bei den Zulieferern immer als die netten Jungs. Das wird sich ändern. Wir werden nur noch die Jungs sein.“
Bei der Suche nach einem Motorenpartner bleibt Volvo nicht viel Zeit: "Die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit mit Ford läuft 2016/2017 aus, und wir haben nicht die Absicht, sie fortzuführen“, sagte Jacoby. "Für Motoren unterhalb von 150 PS suchen wir noch einen Partner, der Ford ersetzen kann“, fügte er hinzu.
Der frühere VW-Spitzenmanager schloss aber aus, dass Volkswagen in die Bresche springen könnte: "Eine Zusammenarbeit mit Volkswagen würde nicht passen. Wir sind dafür sicher zu klein, die anderen vielleicht zu groß.“
Mit Ford unterhalte Volvo "gute Lieferbeziehungen“, die jedoch auf ihr Ende zusteuerten, so Jacoby weiter. Volvo kaufe derzeit bei Ford Komponenten, vor allem Motoren, für rund 1,1 Milliarden Euro ein. Umgekehrt beziehe Ford von Volvo noch Komponenten im Wert von etwa 400 Millionen Euro jährlich.
Die fehlenden Ford-Motoren muss Volvo künftig ersetzen: "Für das Leistungsspektrum oberhalb von 150 PS setzen wir auf unsere eigene Entwicklung, den künftigen VEA-Vierzylinder.“ Der Baukasten-Motor (VEA: "Volvo Environmental Architecture“) startet 2013, ist turbogeladen und kommt als Diesel und Benziner auf den Markt. Jacoby zufolge soll er in verschiedenen Leistungsstufen rund 75 Prozent des Volvo-Motorenangebots abdecken. Zudem habe die neue Motorenfamilie den Vorteil, zumindest teilweise elektrifizierbar zu sein.
Eine Lücke im Programm tut sich nach dem Ende der Ford-Kooperation im unteren Leistungsspektrum auf. Denn unterhalb des kürzlich in Genf vorgestellten V40 wird Volvo vorerst nichts mehr zu bieten haben – das verhältnismäßig teure und gewöhnungsbedürftig designte Kompaktmodell C30 läuft nach derzeitigem Stand ohne Nachfolger aus.Als möglicher Partner für Volvo hatte sich jüngst in Genf Fiat-Chef Sergio Marchionne ins Spiel gebracht. Dass Volvo-Eigentümer Geely Komponenten für Volvo beisteuern wird, steht bereits fest. Vor wenigen Wochen unterzeichneten beide Unternehmen eine Vereinbarung. Dabei denkt Jacoby aber weniger an die Lieferung moderner Verbrennungsmotoren: "Mit Geely wird es künftig verstärkt Synergien im Einkauf, bei der Batterietechnik und der Elektrifizierung geben.“ (Foto: Volvo)