Berlin. Die Leiter der Informationstechnologie, neudeutsch "Chief Information Officers" (CIOs), gehören häufig nicht zur Führungsebene großer Unternehmen. Und das, obwohl Expertise in der Informationstechnologie heutzutage eine Kernkompetenz für jedes Vorstandsgremium und eine positive Geschäftsentwicklung ist: Nur 17 Prozent der IT-Verantwortlichen sind Mitglied des höchsten Führungsgremiums des jeweiligen Unternehmens, ergab eine Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Für die Studie "The DNA of the CIO“ hat die Unternehmensberatung mehr als 300 IT-Spezialisten in verschiedenen Industriebranchen, darunter auch in der Automobilindustrie, befragt und Interviews mit CIOs und anderen Vorständen geführt. Dieses schlechte Standing der IT-Verantwortlichen ist offenbar seit Jahren unverändert: Knapp die Hälfte der befragten Topmanager hat in den vergangenen Jahren Stillstand festgestellt, was die Positionierung der IT-Verantwortlichen angeht.
Viele CIOs verkaufen sich weiterhin noch unter Wert, ergab die Untersuchung von Ernst & Young. Denn trotz der zentralen Rolle, die die Informationstechnologie in vielen Bereichen der Wirtschaftswelt schon seit mehr als zwei Jahrzehnten einnimmt, haben sich die IT-Verantwortlichen in kaum einem Unternehmen ganz nach oben gearbeitet. Mit diesem Status quo scheinen die meisten CIOs jedoch kaum zu hadern: Knapp zwei Drittel der Befragten sind zufrieden mit ihrer derzeitigen Position im Unternehmen. Oft mangelt es den IT-Verantwortlichen sowohl an eigener Motivation als auch an Unterstützung durch das Topmanagement, um in diese Hierarchieebene aufsteigen zu können.IT-Verantwortliche verkaufen sich schlecht
"Der CIO der Zukunft muss sich aus der Komfortzone eines auf Kostenminimierung ausgerichteten IT-Dienstleisters herauswagen, Beziehungen aufbauen, aktiver werden und sich mit Blick auf künftige Unternehmensentwicklungen besser positionieren. Denn CEOs brauchen Kollegen auf Augenhöhe, die technologische Expertise mit profunden Business-Skills verbinden. Wenn sich die CIOs nicht entscheidend weiterentwickeln, besteht die Gefahr, dass sie in der Unternehmenshierarchie weiter absteigen oder gar aufs Karriere-Abstellgleis verbannt werden“, erklärt Olaf Riedel von Ernst & Young.
Viele CIOs haben diese Gefahr wohl noch nicht erkannt, denn die Mehrheit der IT-Verantwortlichen misst ihrer eigenen Arbeit einen höheren Stellenwert bei als das Topmanagement: 60 Prozent der CIOs sind der Ansicht, dass sie einen großen Beitrag leisten, wenn es um die Ausrichtung der Unternehmensstrategie geht, während nur gut ein Drittel der befragten Mitglieder des Topmanagements derselben Meinung ist.CIOs sind zudem häufig nicht in strategische Entscheidungen eingebunden: Nur 43 Prozent der für die Studie befragten IT-Verantwortlichen werden hier maßgeblich involviert, so die Selbsteinschätzung der CIOs. Ursache ist aus Sicht von 38 Prozent der IT-Verantwortlichen, dass das Topmanagement sie nicht ausreichend unterstützt und einbindet.
CIOs müssen in erster Linie ihr Business-Know-how und ihre Kommunikations- und Networking-Fähigkeiten verbessern, um ihre Rolle im Unternehmen aufzuwerten, ergab die Studie: 72 Prozent der CIOs sind der Ansicht, dass das Ausbauen von Beziehungen und Netzwerken eine zentrale Rolle spielt, um im Unternehmen aufzusteigen. Die IT-Verantwortlichen müssen darüber hinaus auch außerhalb des Unternehmens Netzwerke aufbauen und pflegen. Hier besteht erheblicher Nachholbedarf, denn bislang stufen nur 35 Prozent der befragten CIOs dies als wichtig ein."Die Herausforderung für die IT-Verantwortlichen besteht darin, künftig nicht mehr nur den Status quo in der IT-Organisation zu ‚verwalten', sondern ihr Standing im Unternehmen zu verbessern und sich im Führungsgremium besser zu positionieren. Die CIOs müssen effektiver und offensiver kommunizieren und ihren Auftritt für das Unternehmen intern wie extern verbessern, um voranzukommen“, sagt Olaf Riedel von Ernst & Young.