München. Der amerikanische Autobauer Ford hat die Chefs der Gewerkschaften in seinem Werk im belgischen Genk zu einem Krisentreffen geladen. Das schürt bei den Mitarbeitern die Furcht vor einer Schließung des Werks. Wie unsere Schwesterzeitung "Automotive News Europe“ meldet, soll das Treffen mit Vorständen von Ford Europa am Mittwoch stattfinden. "Niemand darf uns etwas sagen“, sagte ein Mitglied der Metallergewerkschaft ABVV. "Wir gehen davon aus, dass es sich um eine sehr ernste Ankündigung handelt.“ Das Unternehmen gab keinen Kommentar ab.
In dem Werk in Ostbelgien montieren 4300 Mitarbeiter die Modelle Mondeo, S-Max und Galaxy. Alle drei stehen vor dem Ende ihres Produkt-Lebenszyklus. Erst im vergangenen Monat hatten die sich die Gewerkschaften in Genk optimistisch gezeigt, nachdem der Autobauer den Beginn der Produktion des neuen Mondeo für Oktober 2013 angekündigt hatte (Automobilwoche berichtete, siehe Link unter diesem Artikel).Eine ungenannte Quelle sagte "Automotive News Europe“ jedoch, die Bestätigung des Starttermins sei keine Garantie für den Fortbestand von Genk. Im Gegenteil, Ford sei darauf vorbereitet, die Fabrik zu schließen und den nächsten Mondeo an einem anderen Standort zu bauen. Die europäischen Werke von Ford sind laut dem Finanzinstitut UBS nur zu 52 Prozent ausgelastet. Eine Schließung des Werks würde schätzungsweise 1,1 Milliarden Dollar kosten und pro Jahr Einsparungen von 730 Millionen bringen. Im laufenden Jahr erwartet der Hersteller in Europa einen Verlust von etwa einer Milliarde Dollar. Ende des Monats will das Unternehmen seine Zahlen für das dritte Quartal vorstellen.Gerüchte über Schließung von Ford-Werk
Das Ford-Werk im belgischen Genk ist offenbar akut von der Schließung bedroht. Einem Medienbericht zufolge soll am Mittwoch ein notfallmäßiges Treffen mit den Gewerkschaftsführern stattfinden.
Überkapazitäten bedrohen europäische Werke
Vor zwei Jahren hat bereits der amerikanische Rivale General Motors sein Werk im belgischen Antwerpen geschlossen. Neben Genk gibt es in Belgien jetzt nur noch den Audi-Standort in Brüssel und die Volvo-Fabrik in Ghent. Die Überkapazitäten In Europa machen weitere Werksschließungen nach Ansicht von Experten unvermeidlich. PSA hat bereits angekündigt, ein Werk schließen zu wollen, bei Opel gilt Bochum seit Jahren als stark gefährdet.
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