Ich sage es mal so: Im Rahmen der Vertragsunterzeichnung habe ich in meiner Rede den ersten und den letzten Satz auf chinesisch gesagt. Das kam dort sehr gut an.
"Ein asiatischer Eigentümer war die bevorzugte Option“
Als wir vor zwei Jahren unsere Restrukturierung erfolgreich beendet hatten, begannen wir gemeinsam mit unseren Eigentümern, nach einer langfristigen Heimat für Kiekert zu suchen. Wir wollten einen strategischen Käufer und möglichst keinen Wettbewerber, um Schaden von der Belegschaft in Form der berühmten Synergien fernzuhalten. Da wir in den etablierten Märkten Marktanteile haben, die an der Obergrenze liegen, war ein asiatischer Eigentümer die bevorzugte Option. Zudem sollte es ein Eigentümer aus dem industriellen Umfeld sein. Also jemand, dem Produktionsprozesse und der Aufbau von Werken mit den zugehörigen Investitionen vertraut sind. Und wir wollten einen finanzstarken Investor, der es ermöglicht, ein nachhaltiges Wachstum umzusetzen.
Fast 20 Monate.
Wir hatten noch im Stadium der Vertragsverhandlungen solche Gespräche geführt, weil wir natürlich gerne uns unbekannten Stolpersteinen ausweichen wollten. Es gab mit den anderen Unternehmen einen sehr offenen Austausch, der uns geholfen hat.
Die Chinesen lieben Made in Germany. Deutsche Marken aus der Automobilzulieferindustrie haben ein sehr hohes Ansehen in China. Man schätzt deutsche Präzision und unser Reservoir an Facharbeitern sowie an Ingenieur- und Management-Know-how.
Ja, es gab unterschiedliche Reaktionen. Einige Kunden waren wegen des geschlossenen Verkaufsprozesses irritiert, da sie über den Verhandlungsverlauf nicht die Transparenz hatten, die sie gerne gehabt hätten. Teilweise wünschte man sich, den Markt in eigenem Interesse zu konsolidieren. Vielfach war die Sorge vor Technologieklau und mangelnder Investitionsbereitschaft in Europa-basierte Forschung und Entwicklung gegeben. Wir aber wollten eine Übernahme nicht zum Konsolidieren, sondern um strategisch weiterzukommen.
Geholfen hat uns, dass es sich bei Lingyun zum einen um einen professionellen Automobilzulieferer aus der asiatischen Welt handelt, der bereits Geschäfte mit Joint Ventures westlicher Fahrzeughersteller unterhält. Und zum anderen, dass Lingyun gerade und ganz fokussiert auch in Europa und NAFTA nach Wachstum strebt. Insgesamt gesehen ist kein Porzellan zerschlagen worden. (Foto: Kiekert)