Berlin/Stuttgart: Der neue DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche muss sich an diesem Mittwoch (12.4.) auf der Hauptversammlung des Autokonzerns in Berlin erstmals der Kritik der Aktionäre stellen. Während seinem Vorgänger Jürgen Schrempp in den vergangenen beiden Jahren ungewöhnlich heftige Kritik entgegengeschlagen war, dürfte Zetsche nach Ansicht von Beobachtern Konfliktfälle entschärft haben und für einige seiner jüngsten Maßnahmen auch Lob ernten. Wurden Schrempp von institutionellen Anlegern wie Kleinaktionären noch milliardenteure Fehler bei der Beteiligung an Mitsubishi in Japan und bei der Kleinwagenmarke Smart vorgehalten, so hat Zetsche in seinen gerade einmal 100 Tagen als Vorstandschef mit dem großen Aufräumen begonnen: Smart wird wieder auf das zweisitzige Ursprungsmodell zurückgestutzt und soll im nächsten Jahr schwarze Zahlen schreiben. Mit dem Personalabbau von insgesamt 14.500 Stellen bis 2008, von dem auch Manager betroffen sind, will Zetsche die Strukturen und Entscheidungswege in dem Weltkonzern wesentlich verschlanken. Der Abbau der Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS wird 2007 eine Milliarde Euro in die Konzernkassen bringen. Vor allem aber ist der Aktienkurs verglichen mit dem Zeitpunkt der Hauptversammlung 2005 um rund 50 Prozent gestiegen – was die Aktionäre natürlich besonders freut. Gut ankommen dürfte auch, dass Zetsche bereits jetzt – ein Jahr eher als vorgeschrieben – in Berlin seine Vergütung für 2005 bekannt geben will. Ein Novum in der Geschichte des Konzerns.
Für Spannung ist bei dem Aktionärs-Treffen der Stuttgarter DaimlerChrysler AG aber dennoch gesorgt. So hat zum Beispiel mit Union Investment erneut eine große deutsche Fondsgesellschaft angekündigt, sie wolle auf der Hauptversammlung öffentlich Stellung zum Management nehmen. Für Aufmerksamkeit dürfte der Antrag des Münchner Aktionärs Richard Mayer sorgen. Er fordert die Bestellung von Sonderprüfern für die Geschäfte von Smart und der Luxusmarke Maybach. Er wirft Vorstand und Aufsichtsrat mangelnde Sorgfaltspflicht bei der Geschäftsentwicklung der beiden wenig erfolgreichen Marken vor. Der Vorstand weist die Kritik zurück und betont, dass es auch bei größter Sorgfalt kein risikoloses Investment gibt. Auch wenn die zahlreichen Ablehnungsanträge der kleinen Gruppe der kritischen Aktionäre wie in den Vorjahren keine Mehrheit finden dürften, wollen sie dennoch beantragen, den Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper einzeln zu entlasten, um so ihre Unzufriedenheit mit ihm zum Ausdruck zu bringen.
Gegen Kopper wird noch immer wegen des Verdachts ermittelt, im Zusammenhang mit dem überraschenden Schrempp-Rücktritt im Juli 2005 gegen Insiderregeln verstoßen zu haben. Kopper geht in sein letztes Jahr als Aufsichtsratschef – er soll 2007 von dem ehemaligen DaimlerChrysler-Vorstand Manfred Bischoff abgelöst werden, der sich in Berlin erstmals zur Wahl in das Aufsichtsgremium stellt. 2005 waren Vorstand und Aufsichtsrat trotz heftiger Kritik mit jeweils über 94 Prozent der Stimmen entlastet worden. (dpa-AFX)