Wolfsburg. Volkswagen will die Sanierung seiner kriselnden Kernmarke VW vorantreiben. In einer zweitägigen Klausursitzung stärkte der Aufsichtsrat dem Vorstand um Vorstandschef Bernd Pischetsrieder den Rücken.
Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch stellte eine Vertragsverlängerung mit Pischetsrieder in Aussicht. Wichtige Details über das Sanierungskonzept wurden aber erneut nicht bekannt. Analysten und die IG Metall zeigten sich enttäuscht.
Wie VW in Wolfsburg mitteilte, nahm der Aufsichtsrat das Sanierungskonzept des Vorstands "zustimmend zur Kenntnis". Es sei notwendig, die Lage der Marke VW - die 2005 nur knapp an den roten Zahlen vorbeigeschrammt war - zu verbessern. Der Vorstand solle Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall führen. Pischetsrieder sagte: "Die Ziele sind definiert."
Über die Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder soll auf der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats am 2. Mai entschieden werden, einen Tag vor der Hauptversammlung in Hamburg. Piëch sagte, der Aufsichtsrat sei mit der Arbeit des Vorstands "sehr zufrieden". Er sei für eine Vertragsverlängerung mit Pischetsrieder. Im März hatte Piëch dies als "offene Frage" bezeichnet.
Bereits im Februar hatte die Konzernspitze um Pischetsrieder ein tief greifendes Restrukturierungsprogramm für die Marke VW angekündigt, die vergleichsweise teuer produziert wird und Überkapazitäten hat. Von dem Programm könnten rund 20 000 Beschäftigte betroffen sein, hieß es.
Volkswagen teilte nun mit, dass die 50-Prozent-Beteiligung Mechatronic GmbH (Stollberg/Sachsen) an Siemens verkauft wird. Siemens VDO Automotive hält bereits die andere Hälfte an dem Unternehmen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Das Unternehmen entwickelt, fertigt und vertreibt Einspritzelemente für Dieselmotoren. Die 200 Beschäftigten werden von Siemens VDO übernommen. Auf der anderen Seite stimmte der Aufsichtsrat der Übernahme von 49 Prozent der süddeutschen Handelsgruppe MAHAG von der Nürnberger Versicherungsgruppe zu. VW will damit seine Marktpräsenz in Ballungszenten stärken.
Pläne für eine Schließung des Werks Brüssel gebe es derzeit nicht, hieß es weiter. Auch nach nach Angaben des belgischen Regierungschefs Guy Verhofstadt bleibt das Werk erhalten. Das sagte Verhofstadt nach einem Telefonat mit Pischetsrieder.
Über eine Einführung der 35-Stunden-Woche bei VW sei bei der Klausurtagung nicht gesprochen worden, hieß es. Bisher gilt bei VW in den westdeutschen Werken überwiegend die 28,8- Stunden-Woche. Über die Arbeitszeiten seien noch keine Gespräche geführt worden, sagte Pischetsrieder.
Eine Entscheidung über den Standort für ein neues Werk in Russland soll in den nächsten sechs Wochen fallen. Ziel sei der Aufbau eines Montagewerks in der Region Moskau. Das Werk werde eine Jahreskapazität von rund 115 000 ausschließlich für den russischen Markt produzierten Fahrzeugen haben.
Ein Sprecher der Gewerkschaft IG Metall sagte zu der Aufsichtsrats-Klausur, die Kernfragen der VW-Sanierung seien weiter offen. "Wir haben einen unveränderten Stand. Es bleibt für uns abzuwarten, ob und mit welchen Themen das Unternehmen an uns herantritt." Bisher gebe es keinerlei Gespräche über Fragen, die Tarifverträge bei VW beträfen.
"Das ist nicht viel Neues", kommentierte Analyst Georg Stürzer von der HypoVereinsbank die Klausurtagung. "Wenn man schon über einen Restrukturierungsplan redet, hätte man auch ein paar konkrete Zahlen oder Maßnahmen präsentieren müssen."
Unterdessen nimmt kurze Zeit vor der VW-Hauptversammlung am 3. Mai der Protest gegen Piëch zu. Nach großen Investmentfonds sprach sich auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) gegen eine Entlastung Piëchs aus. Piëch trage "maßgebliche Verantwortung" dafür, dass sich VW in letzter Zeit zu einem "Paradebeispiel für schlechte Corporate Governance" entwickelt habe, kritisierten die Interessenvertreter der Kleinaktionäre. Es sei nicht zu akzeptieren, dass Piëch durch bedachte oder unbedachte Äußerungen in der Öffentlichkeit die Autorität von Pischetsrieder unterminiere und dessen Vertragsverlängerung "in unerklärlicher Weise" verzögert habe. (dpa/feb) Foto: dpa