Hannover. Management und Gewerkschaft bei VW haben erste Sondierungs-Gespräche über die geplante Sanierung der Kernmarke Volkswagen aufgenommen, die bis zu 20.000 Arbeitsplätze betreffen kann. Arbeitsdirektor kündigte am Montag an, ein konkretes Programm zur Restrukturierung vorzulegen, nähere Einzelheiten wurden jedoch zunächst nicht bekannt. Das Thema Arbeitszeit werde dabei "eine große Rolle spielen", sagte Neumann auf Fragen. Bei VW gilt bisher eine Vier-Tage-Woche mit 28,8 Stunden. Neumann betonte, es gehe darum, die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen zu verbessern. Produktionsabläufe und Auslastung der Werke müssten verbessert und die Arbeitskosten gesenkt werden. Auf Seiten der IG Metall forderte Bezirksleiter Hartmut Meine abermals "endlich Klarheit, was VW eigentlich will". Die Arbeiter seien angesichts der vielen Gerüchte und immer neuen Spekulationen "stinksauer", sagte er. Er warnte das Unternehmen davor, Druck auszuüben. Die IG Metall werde sich in diesem Fall zu wehren wissen.
Meine und Neumann hoben beide den Charakter der Beratungen als echte "Sondierung" hervor. Es seien keine Tarifverhandlungen. Vielmehr wolle man gemeinsam erst einmal herausfinden, ob Tarifverträge überhaupt geändert werden müssten, sagte Neumann vor Beginn des Treffens. VW hatte schon im Februar "tiefgreifende" Maßnahmen angekündigt, die 20.000 Jobs betreffen könnten. Mit dem Sondierungsgespräch beginnt nun die eigentliche Auseinandersetzung zwischen Management und Gewerkschaft über das Programm, das VW-Chef Bernd Pischetsrieder bereits im Februar angekündigt hatte. Anfang Mai hatte der Wolfsburger Autobauer die IG Metall zu Gesprächen aufgefordert. Die Gewerkschaft fordert ein umfassendes Gesamtkonzept für die Restrukturierung und einen "fairen Ausgleich von Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung". Vor Zugeständnissen der Beschäftigten müssten außerdem zunächst Management-Fehler ausgeräumt werden. Die IG Metall verlangt deshalb auch Vorschläge zur Optimierung der Produkte und Prozessabläufe.
Die Forderungen von VW sind in den Einzelheiten noch nicht bekannt. Markenvorstand Wolfgang Bernhard will aber bis zum Jahresende Ergebnisse haben. Er hält daran fest, dass auch Produktionsbereiche geschlossen werden müssten, wenn sie nicht rentabel zu betreiben seien. Das sieht er vor allem in der Teilefertigung. In den Gesprächen geht es aber auch um den Zukunftstarifvertrag vom Herbst 2004. Er schließt betriebsbedingte Entlassungen aus und ist von keiner der beiden Vertragsparteien gekündigt. Die Gewerkschaft sieht darin mittelbar auch die Vier-Tage-Woche festgelegt. Ob die IG Metall zu vorgezogenen Tarifgesprächen bereit ist, hat sie noch nicht entschieden. Das werde auch erst nach Beratungen in der Tarifkommission beschlossen, hieß es. Das Unternehmen hat bisher stets betont, dass es an dem Zukunftstarifvertrag nicht rütteln will. Er steht aber unter der Voraussetzung der Wirtschaftlichkeit und kann auch gekündigt werden.
Nach hohen Verlusten in den westdeutschen VW-Standorten in den vergangenen Jahren und einem Ergebnis der Marke 2005 nur knapp über der Null-Linie hat sie beim Absatz jetzt das Tal verlassen. In den ersten fünf Monaten 2006 stieg die Zahl der ausgelieferten Autos um mehr als 15 Prozent auf 1,38 Millionen. VW-Vertriebschef Michael Kern beklagt jedoch einen anhaltend hohen Preis- und Margendruck. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) begrüßte den Beginn der Sondierungsgespräche. "Sie sind extrem wichtig für die Beschäftigungssicherung an den niedersächsischen Standorten und die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen", sagte Wulff der dpa. Er hoffe, dass die Beratungen zügig zu Ende gebracht würden. Niedersachsen ist zweitgrößter Volkswagen-Aktionär nach Porsche. (dpa-AFX/mm)