Hamburg. VW-Chef Bernd Pischetsrieder will bei dem Wolfsburger Konzern auch künftig weiter an der Sparschraube drehen. Man müsse mit unverminderter Energie an der Optimierung von Kosten und Prozessen arbeiten, sagte Pischetsrieder am Mittwoch auf der VW-Hauptversammlung in Hamburg, einen Tag nachdem sein Vertrag bis zum Jahr 2012 verlängert worden war. Volkswagen müsse sich weltweit auf einen noch härteren Wettbewerb einstellen. Details zu den Sparplänen wollte er aber nicht bekannt geben. Entsprechende Gespräche würden geführt. Auch zu der Vereinbarung mit dem Betriebsrat, mit deren Abschluss sich der Aufsichtsrat die Stimmen der Arbeitnehmerseite für Pischetsrieders Vertragsverlängerung gesichert hat, machte der Bayer keine Angaben. Laut IG Metall soll die Beschäftigungssicherung künftig eine der Leitlinien des Konzern sein und die umstrittenen Komponentenwerke, über deren Verkauf schon seit längerem spekuliert wird, werden deutlich aufgewertet.
Im bisherigen Spar-Programm "ForMotion" hatte VW im vergangenen Jahr laut Pischetsrieder zwar Einsparungen von 3,5 Milliarden Euro erzielt. Der Preisdruck und die Wechselkurse hätten den Nettoeffekt jedoch relativiert, sagte er. Ziel des nun aufgelegten Nachfolgeprogramms 'ForMotion plus' ist ein Vorsteuergewinn von 5,1 Milliarden Euro im Jahr 2008.
Für das Gesamtjahr rechnete Pischetsrieder mit einer leichten Zunahme der weltweiten Auslieferungen an Kunden und einem Wachstum der VW-Marktanteile. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen durch die angestrebte Restrukturierung soll sich verbessern. Er machte deutlich, dass im laufenden Jahr große Belastungen auf den Konzern zukommen. Neben den Kosten für die Restrukturierung gebe es aber auch positive Sondereinflüsse durch Veräußerungen.
Aufsichtsratschef Ferdinand Piech musste sich auf der Hauptversammlung in Hamburg aufgebrachte Aktionäre anhören. Piech, der mit seinen öffentlichen Zweifeln an einem neuen Vertrag für Pischetsrieder das wochenlange Tauziehen um den VW-Chefsessel erst ins Rollen gebracht hatte, müsse gehen, forderten sie. Ein "Schmierentheater" spiele Piech hier, erklärte ein Aktionär. Auch die Vertreter der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz und die Schutzgemeinschaft der Kleinanleger warfen Piech vor, mit seiner persönlichen Beteiligung an Porsche und seiner Position als Aufsichtsrat in Interessenkonflikte zu kommen. Der Sprecher des britischen Hedgefonds Hermes forderte den Rücktritt des Österreichers. Piech sitzt auch im Porsche-Aufsichtsrat. Die Piech-Familie ist ein wichtiger Porsche-Aktionär. Pischetsrieder betonte, der Aufsichtsrat habe bereits im Februar einen Ausschuss eingerichtet, der die Geschäftsbeziehungen von Volkswagen mit Aktionären überwachen soll, die mehr als fünf Prozent der Stimmrechte halten. Porsche ist größter VW-Aktionär mit einem Anteil von rund 21 Prozent. Eindringlich forderten Aktionärsvertreter ferner eine lückenlose Aufklärung der VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Konzernkosten sowie eine rasche Sanierung der spanischen Tochter Seat.
Piech selbst ließ alle Vorwürfe abprallen. Er werde "zu gegebener Zeit" über seine weitere Lebensplanung unterrichten, sagte er zu den Rücktrittsforderungen.
Die Hauptversammlung entlastete Vorstand und Aufsichtsrat dennoch mit großer Mehrheit. Piech erhielt allerdings in einer Einzelabstimmung mit 98,23 Prozent das schlechteste Ergebnis unter den Aufsichtsratsmitgliedern - rund 1,5 Prozentpunkte weniger als die meisten Kollegen. Der Vorstand wurde mit 99,82 Prozent entlastet.(feb) Foto: dpa