Wolfsburg.Der Generalbevollmächtigte für Produktion und Logistik im VW-Konzern, Werner Neubauer (57) wird am 1. August die weltweite Koordination der Komponentenfertigung übernehmen. Vorstand und Betriebsrat des Wolfsburger Autobauers haben am Donnerstag eine Vereinbarung über die Teilefertigung unterzeichnet, teilte VW mit. Ziel sei es, "technologisch hochwertige und wettbewerbsfähige Komponenten für die Konzernfahrzeuge sicherzustellen und die Entwicklung des Drittmarktgeschäfts zu stärken." Die operative Verantwortung für die Komponentenbereiche bleibt wie bisher bei den Marken.
Das Thema Komponenten war zwischen Vorstand und Betriebsrat bisher sehr umstritten. Der Bereich gilt als teilweise unrentabel. VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard hatte daher auch eine mögliche Schließung von Unternehmensteilen im Zuge der Sanierung der ertragsschwachen Marke in Aussicht gestellt. VW stellt besonders viele Autoteile selber her und beklagt wegen der nach dem Haustarif höheren Löhne Wettbewerbsnachteile. Der Konzern will die Kosten senken, trifft aber auf den Widerstand der Gewerkschaft – besonders wenn es um eine mögliche Schließung geht. Als besonders gefährdet galt bisher die Gießerei in Hannover.
Mit der Betriebsvereinbarung werde neben der finanziellen Steuerung auch der Prozess für eine technologisch und wirtschaftlich sinnvolle Entwicklung von Komponenten geregelt, erklärte VW. Konzernchef Bernd Pischetsrieder sagte, Voraussetzung für die Entwicklung hochwertiger Komponenten sei allerdings, "dass wir auch hier gegenüber dem freien Markt wettbewerbsfähig sind". Grundsätzlich solle die hauseigene Teilefertigung auch außerhalb des Konzerns Aufträge akquirieren können, so Pischetsrieder. 2006 werde der Konzern mit seinem Drittmarktgeschäft einen Umsatz von rund 230 Millionen Euro erzielen. Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, die Berufung eines Konzernbevollmächtigten für die Komponentenbereiche sei eine der wesentlichen Forderungen des Betriebsrates. Ziel der Vereinbarung sei, "künftig auf Augenhöhe mit den externen Zulieferern agieren zu können".
Unterdessen berichtete die "Financial Times Deutschland" am Donnerstag, der Konzern erwäge eine Ausgliederung der Komponentenfertigung. Das Management plane, die zum Konzern gehörenden Komponentenwerke in einem eigenen Bereich unter der Marke VW zu bündeln, heißt es in dem Blatt unter Berufung auf Unternehmenskreise. "Erst sollen die Werke zusammengefasst werden. Dann dürfte VW alles ausgliedern wollen, um aus dem teuren Haustarifvertrag herauszukommen", zitiert die Zeitung eine nicht näher benannte Quelle.
Der Aufsichtsrat hat der Benennung Neubauers bereits zugestimmt, sagte eine VW-Sprecherin. Andere Personalentscheidungen, über die Medien berichteten, kommentierte VW nicht. So soll etwa zur Bewältigung der Probleme insbesondere in Brasilien der frühere österreichische Bundeskanzler und VW-Argentinienchef Viktor Klima nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" zum Generalbevollmächtigten für Südamerika werden. Klima solle Pischetsrieder direkt untergeordnet sein. Generalbevollmächtigter für China sei der dortige VW-Chef Winfried Vahland. Mit den Personalentscheidungen sollen nach den Berichten die problematischen Märkte China und Südamerika sowie die Teilefertigung aufgewertet werden.
In Brasilien will Volkswagen innerhalb von zwei Jahren bis zu 6.000 der 21.000 Arbeitsplätze abbauen und so die Produktionskosten um ein Viertel senken. Der Konzern leidet erheblich unter dem Wechselkurs des brasilianischen Real zum Dollar, der die Exporte teuer macht. In China leidet VW seit einiger Zeit an Absatzproblemen. Dort geht es inzwischen zwar wieder aufwärts. Aber die Krise gilt noch nicht als endgültig überwunden. Über eine weitere Personalie berichtete am Donnerstag das "Manager Magazin". Der Chefdesigner der Marke VW, Peter Schreyer, wechsele zum koreanischen Konkurrenten Kia und solle dort weltweit die Autogestaltung leiten. (dpa/mm)