Stuttgart. Der jahrelange Streit um unbezahlte Überstunden in der Zentrale des DaimlerChrysler-Konzerns ist ausgestanden. Betriebsrat und Geschäftsleitung haben sich auf ein Modell geeinigt, das unbezahlte Überstunden vermeiden soll, bestätigte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag einen Bericht der "Stuttgarter Nachrichten". Die Regelung sieht vor, dass ein Ansammeln einer Vielzahl von Überstunden nur noch in Ausnahmefällen möglich ist. Die Vereinbarung soll nach Angaben der Sprecherin in den nächsten Tagen unterzeichnet werden und zum 1. Juli in Kraft treten.
Betroffen sind rund 11.000 Mitarbeiter. Mehr als 120 Stunden dürfen nur angesammelt werden, wenn es einen schriftlichen Plan gibt, wie diese im konkreten Fall wieder abgebaut werden. Wer mehr als 200 Stunden angehäuft hat, dem muss alles, was über dieser Marke liegt, entweder ausgezahlt oder aber in einem Langzeitkonto gutgeschrieben werden. Alle Zeitguthaben über 75 Stunden sollen am 1. Oktober verfallen. Damit können Mitarbeiter ihre Überstunden noch für einen Sommerurlaub nutzen und so vor der Streichung retten.
Im April 2004 hatte das Bundesarbeitsgericht DaimlerChrysler dazu verurteilt, die jahrelange Praxis unbezahlter Überstunden einzustellen. Nach Berechnungen des Betriebsrats waren zuvor jedes Jahr rund 750.000 Stunden Mehrarbeit verfallen. Diese Arbeitsmenge entspricht rund 500 Vollzeit-Arbeitsplätzen. Die Bundesrichter entschieden, es reiche nicht aus, dass der Konzern solche Überstunden nicht bezahle. Vielmehr müsse er "mit allen dem Unternehmen zur Verfügung stehenden Mitteln" darauf hinwirken, dass ein solcher Verfall nicht möglich ist. (dpa-AFX/mm)