Hamburg. Eine Entscheidung über eine Verlängerung des Vertrages von VW-Chef Bernd Pischetsrieder soll entgegen ursprünglichen Planungen offenbar nicht vor der Hauptversammlung am Mittwoch fallen. Eigentlich sollte der Aufsichtsrat des größten europäischen Autoherstellers am Dienstagabend zusammenkommen, um auch über die Zukunft des VW-Vorstandsvorsitzenden zu sprechen. Die Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium hätten sich aber darauf verständigt, vor Mittwoch keine Entscheidung zu treffen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf Informationen aus ungenannter Quelle. Ein Konzernsprecher wollte die Berichte auf Anfrage nicht kommentieren.
Sollte Aufsichtsratschef Ferdinand Piech dennoch eine Entscheidung herbeiführen wollen, dürfte es dem Bericht zufolge zu einer Kampfabstammung kommen, bei der die erforderliche Zweidrittelmehrheit verfehlt werde. Die Repräsentanten der Belegschaft kritisierten, dass die bisherigen Angaben des Konzernchefs zum Sanierungsplan für die Kernmarke VW zu unpräzise seien. Sie befürchten Einschnitte für die Beschäftigten und einen gravierenden Stellenabbau. Auch nach Informationen der "Süddeutsche Zeitung" (Samstagsausgabe) sind bei VW Arbeitgeberseite und Belegschaftsvertreter in dem 20-köpfigen Kontrollgremium darauf eingestellt, dass es auf der Sitzung an diesem Dienstag in Hamburg nicht zur notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit von 14 Stimmen für eine Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder kommt. Dann würde die Entscheidung über die Personalie erst vier Wochen später fallen und der VW-Chef müsste ohne neuen Vertrag in die Hauptversammlung des Autobauers am Tag darauf gehen.
Nach dem Mitbestimmungsgesetz reicht im zweiten Wahlgang, der einen Monat später stattfindet, die einfache Mehrheit.
"Pischetsrieder wird wiedergewählt, daran gibt es keinen Zweifel", sagte ein Vertreter der Kapitalseite im VW-Aufsichtsrat der "SZ". "Notfalls mit der Zweitstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden in einer zweiten Sitzung nach vier Wochen." Die Belegschaftsvertreter, die im VW-Aufsichtsrat mit ebenfalls zehn Mitgliedern vertreten sind, stellen sich der "SZ" zufolge auf eine mögliche Kampfabstimmung ein. (dpa/feb)