Wolfsburg. Im Tauziehen um die Sanierung der ertragsschwachen Marke Volkswagen hat jetzt die Gewerkschaft das Wort. Nach einem zweiten Sondierungsgespräch zwischen VW-Management und IG Metall am Vorabend ist am Donnerstag die große Tarifkommission der Gewerkschaft zusammen gekommen, um über die Ergebnisse zu beraten. Nur dieses Gremium kann beschließen, ob es Gespräche über eine Änderung des Tarifvertrages geben soll.
Nach dem gut fünfstündigen Sondierungstreffen am Mittwoch hatte es keinerlei Informationen über Inhalte oder Verabredungen gegeben. Beide Seiten stellten erst für Donnerstagabend eine Mitteilung in Aussicht. VW will mit massiven Kostensenkungen, neuen Modellen und Stellenabbau die Probleme der Traditionsmarke angehen, die 2005 nur knapp den roten Zahlen entronnen war. Der Wolfsburger Autobauer hatte die IG Metall zu Gesprächen aufgefordert, um auszuloten, ob Änderungen am bestehenden Tarifvertrag erforderlich und möglich sind. Denn bei VW gilt bis 2011 ein bisher ungekündigter Zukunftstarifvertrag, der die über 100.000 Arbeitsplätze in den westdeutschen Werken garantiert und Abweichungen nur in gegenseitigem Einvernehmen zulässt.
Bei einem ersten Sondierungsgespräch hatte VW eine Abschaffung der Vier-Tage-Woche und die Rückkehr zur 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich gefordert. Die Gewerkschaft hatte dies zurückgewiesen und fordert ihrerseits konkrete Zusagen für die Auslastung der Werke und bestimmte Modelle sowie zur Beschäftigungssicherung. Erst dann werde die IG Metall entscheiden, ob sie sich auf Gespräche über Änderungen am bestehenden Tarifvertrag einlasse, hieß es. Die Frage galt zunächst weiter als offen. VW hatte mindestens 20.000 Jobs auf den Prüfstand gestellt. Sie sollen hauptsächlich auf freiwilligem Weg – etwa über Aufhebungsverträge und Altersteilzeit – abgebaut werden. Die Gewerkschaft befürchtet jedoch, dass durch eine Rückkehr zur 35- Stunden-Woche und angesichts der schwachen Auslastung der Werke weit mehr Stellen überflüssig werden. Dem Unternehmen gehe es letzten Endes um Kostenentlastung durch unbezahlte Mehrarbeit, argumentiert IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine.
In der IG Metall ist die Stimmung angespannt. Während VW- Arbeitsdirektor Horst Neumann zuletzt kräftig aufs Tempo drückte und ebenso wie VW-Chef Bernd Pischetsrieder das Unternehmen in großem Zeitdruck sieht, dämpfte Meine zuletzt Hoffnungen auch auf eine schnelle Einigung. Ob es vor den VW-Werksferien im August noch konkrete Ergebnisse geben wird, gilt mehr als unsicher. (dpa/tb)