Früher waren Hersteller und Zulieferer fast ausschließlich in der mechanischen Welt zuhause. Dann kam die Fahrzeugelektronik und damit Software dazu. Sie hat im Auto einen Wertschöpfungsanteil von 40 Prozent erreicht. Jetzt geht es darum, die Fahrzeuge mit der Außenwelt und untereinander zu vernetzen. Dies bringt ganz neue Herausforderungen mit sich. Zum Beispiel müssen Fahrzeughersteller und Zulieferer in ganz neuen branchenübergreifenden Kooperationen arbeiten und Technologien anderer Industrien erschließen. Im Wesentlichen ist das die Informations- und Kommunikationsbranche – kurz ICT. Die Telekom gestaltet dieses Zusammenwachsen von ICT mit der Automobilbranche aktiv mit.
"IT erschließt neue Geschäftsfelder“
Geschäftlicher Erfolg erfordert in einer digitalen Gesellschaft Nähe zu Kunden, zu Informationen und Wissen, zu Partnern oder zu Mitarbeitern. Dies gilt auch für die Automobilindustrie. Es ist heute unerlässlich, in der Entwicklung, in der Produktion oder auch im Service frühzeitig auf Kundenwünsche einzugehen. Die Verbraucher konfigurieren heute Produkte online und wollen dies künftig auch beim Autokauf nutzen. So planen 30 Prozent aller Europäer ihren nächsten Autokauf übers Internet. In China sind das heute schon 86 Prozent.
Das Beispiel Local Motors in den USA zeigt, dass Kunden durchaus an der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen mitarbeiten wollen. Die Kleinfirma mit kaum mehr als zehn Mitarbeitern nutzt Crowdsourcing für die Autoentwicklung. Weltweit konstruieren registrierte Nutzer Fahrzeuge gemeinsam im virtuellen Raum. Sie greifen dafür unter anderem auf sämtliche Baupläne und Zeichnungen in der Cloud zu. Oder VW hat mit der Crowdsourcing- und Open-Innovation-Plattform "The People's Car Project“ in China unzählige Konzeptideen für den "Volkswagen der Zukunft“ eingesammelt. Technologiepartner hierbei ist T-Systems.
Dafür braucht es unter anderem intelligente ICT-Lösungen. Als wesentliche Technologietreiber hierfür sieht T-Systems aktuell Cloud Computing, Big Data, Mobile Collaboration oder Social Media. Im People's Car Project bestand beispielsweise die Herausforderung, die Communities rasch und skalierbar miteinander zu verknüpfen. 33 Millionen Website-Besucher haben über 119.000 Ideen zur Gestaltung künftiger VW-Modelle eingereicht. Hierfür braucht das Projekt Cloud Computing, Social Media und Big-Data-Ansätze.
Das wandelnde Mobilitätsverhalten junger Menschen erfordert neue Konzepte. Sie wollen frei kombinierbare Mobilitätsformen und entscheiden sich zunehmend für Carsharing-Angebote. Wichtig ist dieser Zielgruppe, auch im Auto "always on“ zu sein. Und sie zeigen durchaus Bereitschaft, Geld für attraktive Mehrwertdienste in einem vernetzten Fahrzeug auszugeben. 2012 hatten wir in Westeuropa etwa 6,5 Millionen internetfähige Fahrzeuge auf den Straßen. Bis ins Jahr 2016 wird diese Zahl auf geschätzte 48 Millionen steigen.
Unsere Branche unterstützt die Unternehmen dabei, durchgängige und effiziente Businessprozesse zu bauen. Dazu gehört es auch, die Geschäftstätigkeit geographisch schnell zu erweitern. Die Cloud ist so erfolgreich, weil sie die Geschäftsprozesse weltweit flexibel unterstützt. Mit Cloud Computing stehen quasi ad hoc an jedem neuen Standort die gleichen IT-Systeme zur Verfügung. Zudem erschließt IT neue Geschäftsfelder. car2go von Daimler, DriveNow von BMW oder Multicity von Citroën sind im Kern reine IT-Lösungen, die neue Wertschöpfungsströme generieren.
Der Rohstoff dafür sind Daten. Diese zu erfassen, zu managen und über Collaboration-Plattformen für alle Mitarbeiter mit direktem oder indirektem Kundenkontakt zur Verfügung zu stellen, wird mehr und mehr zum Wettbewerbsfaktor. Big Data wird uns hier als Schlagwort weiter begleiten. Hier steckt ein ungeahntes Potenzial für die Neukundengewinnung. Intelligentes Management bedeutet in Zukunft für globalisierte Unternehmen: Frei verfügbare Informationen zu den Kunden aus Social-Media-Plattformen zu vernetzen und in CRM-Systeme zu integrieren – und daraus multidimensionale Ansichten auf Kunden zu erstellen, um Vertriebsansätze zu entwickeln.
Das strenge deutsche Datenschutzrecht erlaubt in einer Vielzahl von Fällen die Anwendung von Big Data. Für uns gilt aber immer der Grundsatz, dass wir bereits bei der Entwicklung einer Big Data-Anwendung die rechtliche Zulässigkeit zu prüfen. Dafür binden wir unseren Bereich Datenschutz ein, der alle Produkte und Services der Telekom datenschutzrechtlich prüft, bevor sie auf den Markt kommen.
Im globalen Wettbewerb erfolgreich sein heißt, geografische und zeitliche Distanz abzubauen. Das gilt auch für unsere eigene Organisation und unser Kundenmanagement. Unsere globalen Kunden der Automobilindustrie – Fahrzeughersteller und Zulieferer – betreuen bei uns dedizierte Global Account Teams mit umfassendem Know-how über den Kunden und die Branche. Die Zentrale hat dabei die Aufgabe, die Zusammenarbeit in weltweit verteilten Gruppen zu organisieren, Experten und Skills zu identifizieren, Informationen und Wissen zu erschließen und strukturiert abzulegen, zum Beispiel über Wikis und Content-Management-Systeme.