München. In der nächsten Entwicklungsstufe, den Organoblechen, entfällt die metallische Komponente komplett. Das spart nochmals Gewicht. Im Audi A8 wird bereits das erste Serien-Hybrid-Frontend verwendet, bei dem auch Organobleche eingesetzt werden. Anwendungsgebiete für Hochleistungskunststoffe und Verbundmaterialien sieht man bei Lanxess unter der Motorhaube, beim Frontend, im Dachrahmen oder als Bremspedal und als Ölwanne. „Die zahlreichen Vorzüge der Leichtbaumaterialien führen zu einer weiter steigenden Nachfrage“, so die Kölner. Aktuellen Prognosen zufolge wächst der Markt für derartige Bauteile branchenübergreifend weltweit von derzeit rund 70 Milliarden bis 2030 auf mehr als 300 Milliarden Euro. Für den Wettbewerber Bayer MaterialScience ist die Automobilindustrie der wichtigste Abnehmer. Der Sektor hatte 2012 einen Anteil von 20 Prozent am Gesamtumsatz in Höhe von rund 11,5 Milliarden Euro. Die Leverkusener setzen dabei auf den Hochleistungskunststoff Polycarbonat, der zu Seiten-, Heck- und Panoramafenstern oder sogar ganzen Heckklappen verarbeitet wird. „Die Komponenten wiegen bis zu 50 Prozent weniger als solche aus Glas“, heißt es dort. Den gleichen Prozentsatz an Gewichtsersparnis schaffen auch LED-Linsen aus Polycarbonat, die zunehmend in Scheinwerfern eingesetzt werden. Bei Bayer MaterialScience kann man sich auch Ladestationen für Elektroautos aus Polycarbonat oder Polyurethane anstatt aus Metall vorstellen. Die Vorteile sehen die Kunststoffspezialisten in einer hohen Designfreiheit und einem besseren Schutz vor Vandalismus. Ideen zur Verringerung des Fahrzeuggewichts bei Elektrofahrzeugen bietet auch Evonik. Durch Plexiglas, das herkömmliches Mineralglas ersetzt, kann beispielsweise das Gewicht der fest stehenden Seitenscheiben oder des Glasdachmoduls von Autos um 40 bis 50 Prozent verringert werden, heißt es bei dem Unternehmen der Spezialchemie. Eine Gewichtsersparnis von sogar bis zu 60 Prozent bei Karosserieteilen versprechen Anwendungen mit dem hochfesten Strukturschaum Rohacell. Dieser wird in hoch belastbaren Sandwich-Konstruktionen eingesetzt. Bei BASF sind sich die Experten sicher, dass der nächste Schritt beim Kunststoff im Fahrzeugbau nur mit einem Technologiesprung gelingen wird. Die Ludwigshafener trauen thermoplastischen Verbundwerkstoffen (Composites) sogar zu, Metall zu ersetzen. „Wenn sich thermoplastische und duroplastische Composites in Strukturbauteilen durchsetzen, wenden sie langfristig ein Marktvolumen von etwa zwei Milliarden Euro umfassen“, schätzt BASF-Manager Andreas Wollny.
Hightech statt Plastik
Wer über Leichtbau spricht, der muss auch über Kunststoff sprechen“, heißt es beim Chemieunternehmen Lanxess, das seine Lösungen zum Thema Leichtbau auf der Kunststoffmesse K 2013 zeigt. Im Auto stecken heute schon bis zu 20 Prozent Kunststoff – Tendenz steigend. „Ein prominentes Beispiel ist die von uns entwickelte und patentierte Kunststoff-Metall-Verbundtechnologie – auch bekannt unter dem Namen Hybridtechnologie. Statt also im Auto wie üblich Stahl- oder Aluminiumbleche zu verbauen, setzen viele Fahrzeughersteller bereits Hochleistungskunststoffe in Verbindung mit Metallblechen ein.“ Die stabilen Karosserieteile sind manchmal sogar crashbeständiger als reine Metallteile und dabei bis zu 40 Prozent leichter und günstiger.
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