Wolfsburg. Bei VW ticken die Uhren anders als bei anderen Autoherstellern. Entscheidungen werden in einem fein austarierten Machtgleichgewicht zwischen Vorstand, Betriebsrat, dem Land Niedersachsen und den Eigentümerfamilien Piech und Porsche. Die starke Stellung des Landes stand jedoch auf der Kippe, wie der "Spiegel" berichtet. Seine Macht beruht auf dem umstrittenen so genannten VW-Gesetz, das bestimmt, dass wichtige Entscheidungen mit einer Mehrheit von über 80 Prozent der Stimmrechte getroffen werden müssen. Das sichert dem Land, das 20,2 Prozent der VW-Anteile hält, faktisch eine Sperrminorität.
Sollte das Unternehmen zwei Jahre nacheinander keine Dividende zahlen, würden die bislang stimmrechtslosen Vorzugsaktien stimmberechtigt, was die Machtverhältnisse bei VW durcheinander wirbeln würde. Niedersachsen wäre seine Sonderstellung los. Vertreter der Familien und des Emirats Katar haben im Aufsichtsrat gegen eine Dividende für das vergangene Jahr gestimmt. Sachlich zu begründen war das problemlos, schließlich hat das Unternehmen 2015 aufgrund des Abgas-Skandals rote Zahlen geschrieben. Der Schachzug hätte die Familien allerdings viel Geld gekostet, weil sie ebenso wie alle anderen Aktionäre keine Dividende erhalten hätten.