Der Zulieferer Grammer hat in seinem Kampf gegen die Kontrollübernahme durch die Unternehmerfamilie Hastor Unterstützung durch die Politik erhalten. Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) zeigt sich bei einem Besuch des Grammer-Werks Haselmühl bei Amberg vor allem in Hinblick auf Arbeitsplätze besorgt wegen der möglichen Folgen eines Kontrollwechsels beim Interieurspezialisten. "Die Bedenken der Kunden sind ein Hinweis auf die Gefährdung der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung und damit auch vieler Arbeitsplätze", so die Staatsministerin: "Für mich ist entscheidend, dass die Beziehungen zu den Herstellern nicht belastet werden, eine langfristige Zusammenarbeit möglich ist und eine gute Zukunftsperspektive erhalten bleibt." Dabei ist sie auch an einer langfristigen Perspektive für die Oberpfälzer interessiert. "Es geht auch um die Verträge, die erst in fünf, sechs oder mehr Jahren abgeschlossen werden", so die Politikerin.
Die beiden der Familie Hastor gehörenden Gesellschaften Cascade International Investment und Halog halten gemeinsam gut 20 Prozent der Anteile an Grammer. Cascade will maßgeblich Einfluss auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrats und des Vorstands von Grammer nehmen und beabsichtigt fünf von sechs Aufsichtsräten der Kapitalseite durch eigene Vertreter zu ersetzen. Erst kürzlich ist Cascade damit gescheitert, vor dem Amtsgericht Amberg eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Es bleibt somit bei der geplanten Hauptversammlung am 24. Mai.
Für Hartmut Müller, Vorstandsvorsitzender von Grammer, sind die Pläne des Investors weiterhin unklar. Alle Versuche, Kontakt zu der Familie Hastor aufzunehmen seien gescheitert. "Wir haben es über die verschiedensten Kanäle versucht, auch über das Ministerium der Frau Aigner", so Müller. Der Unternehmenschef, den Cascade ebenfalls aus dem Amt drängen will, registriert die Verunsicherung auf Kundenseite. "Es ist noch nicht spürbar, dass Auftragsvolumen an uns vorübergegangen ist", erklärt der Konzernchef. Allerdings werde er von den Kunden immer wieder nach der Aktionärsstruktur gefragt.