Dass der Aufsichtsrat von Volkswagen Herbert Diess zum neuen Konzernchef ernennen wird, gilt inzwischen als sicher. Möglich ist, dass Noch-Chef Matthias Müller nicht abtritt, sondern eine neue Funktion im Konzern erhält. Der reguläre Vertrag des 64-Jährigen läuft noch bis 2020.
Unklar war bisher noch, wer Diess' Nachfolger an der Spitze der Marke VW Pkw wird. "Bild" und die Nachrichtenagentur Reuters berichten übereinstimmend, dass Diess seine bisherige Position zunächst beibehalten soll. Damit bekäme er eine Machtfülle, wie sie zuletzt Martin Winterkorn innehatte, der vor Matthias Müller an der Spitze des Konzerns stand und jahrelang die Kernmarke in Personalunion führte.
Der damalige Aufsichtsratschef Ferdinand Piech war unzufrieden mit der Entwicklung der Marke VW Pkw und holte den als Kostenkiller bekannten Diess 2015 von BMW zu Volkswagen. Diess hatte sich schon in München Hoffnung auf den Chefposten gemacht, das Rennen dort machte aber Harald Krüger. Diess reagierte und wechselte nach Wolfsburg – nur wenige Monate vor dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals. Er gilt als unbelastet, weil er zur Zeit der Entwicklung der Manipulations-Software noch nicht bei VW war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt allerdings auch gegen ihn, weil der Verdacht besteht, dass VW die Aktionäre im September 2015 zu spät über den Skandal informiert hat.