BMW hat den Anspruch, der weltgrößte Premiumhersteller zu sein. Doch Mercedes liegt nicht nur vorn, die Stuttgarter vergrößern ihren Vorsprung sogar. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Warum BMW hinter Mercedes liegt
In den vergangenen Jahren hat Mercedes einen Großteil seiner Modellpalette überholt. Das hat sich gelohnt und wird von den Kunden gut angenommen. Zwar hat auch BMW eine Reihe von Facelifts und neuen Modellen auf den Markt gebracht, bei den großen SUVs liegt Mercedes aber deutlich vorn: In den USA haben die Stuttgarter von Januar bis Mai mehr als 28.000 GLC verkauft, die Bayern kamen nur auf gut 20.000 X5, der allerdings auch kurz vor einem Modellwechsel steht.
Hinzu kommt, dass Mercedes schon seit Jahren den GLS verkauft, während BMW erst vor wenigen Tagen den Rivalen X7 präsentiert hat. Ähnlich sieht es in Deutschland aus. Hier kommt der kurz vor der Ablösung stehende Dreier in den ersten fünf Monaten nur noch auf 14.000 Zulassungen, während die C-Klasse 26.000 neue Kunden gewinnt. Hierzulande liegt BMW zwar bei den kleineren Modellen vorn und verkauft vom Einser und Zweier deutlich mehr als Mercedes von A- und B-Klasse, landesweit hat Mercedes aber trotzdem fast 30.000 Autos mehr abgesetzt. Inwieweit sich das ändert, wenn der neue Dreier und der neue X5 auf den Markt kommen, bleibt abzuwarten.
Mit der Elektromobilität hat BMW früher und konsequenter begonnen als alle anderen deutschen Hersteller. Die Bayern hoben die Submarke BMW i aus der Taufe und stellten die Modelle i3 und i8 vor, als die Konkurrenz außer Absichtserklärungen noch nichts zu bieten hatte. Nur: Genutzt hat es BMW nicht viel: Als Elektro-Pionier gilt der kalifornische Hersteller Tesla, der mit dem Roadster, dem Model S und dem Model X die etablierten Hersteller seit Jahren vor sich her treibt.
Trotz aller Probleme in der Produktion hat das Model 3 die entsprechenden Verbrenner-Fahrzeuge in den USA bei den Zulassungen bereits abgehängt. Insofern können BMW und Mercedes von Glück sagen, dass die Fertigung bei der Konkurrenz noch nicht rund läuft. Aus dem Vorsprung in Sachen E-Mobilität hat BMW nicht viel gemacht, der iNext, das nächste Modell, soll erst 2021 auf den Markt kommen, wenn auch Mercedes und VW ihre E-Autos EQ und I.D. bringen wollen.
Weder BMW noch Daimler haben bisher besonders unter dem Abgas-Skandal gelitten. Zwar haben sich beide Hersteller bereiterklärt, Fahrzeuge mit Software-Updates sauberer zu machen und bei beiden sind die Diesel-Zulassungen zurückgegangen, größere Probleme gab es bislang aber nicht.
Mit dem Zwangsrückruf für mehr als 230.000 Mercedes könnte sich die Situation ändern. BMW musste vor einiger Zeit eingestehen, im Motorsteuerung eines Modells eine falsche Software installiert zu haben, das hatte bisher jedoch keine negativen Folgen.
Aufgrund der Umstellung des Prüfverfahren für Abgase sind derzeit und auch in den kommenden Monaten mehrere Modelle von BMW nicht oder nur eingeschränkt lieferbar. Davon betroffen sind etwa Baureihen wie der M3 oder die Benziner-Versionen des Siebeners. Das Thema sei beherrschbar, sagte Einkaufsvorstand Markus Duesmann der Automobilwoche. Von Mercedes sind bisher keine diesbezüglichen Probleme bekannt.
BMW ist längst nicht geschlagen. Im Gegenteil, der Hersteller bringt allein dieses Jahr 20 neue Modelle und Derivate auf den Markt und kann Daimler nach wie vor Paroli bieten. Die Modelloffensive wird sich jedoch erst im kommenden Jahr auf die Verkaufszahlen auswirken. Bis dahin wird jedoch auch Mercedes noch einiges unternehmen, um den Vorsprung zu halten. Schließlich wollen die Stuttgarter an der Spitze bleiben.
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