Wolfsburg. Volkswagen China geht bei der Rekrutierung von Fachkräften neue Wege: Erstmals spricht die Volkswagen Group China (VGC) aktiv auch in Deutschland bei Jobmessen und an Universitäten chinesische Auslandsstudenten an. Hintergrund ist, dass die Suche nach potenziellen Kandidaten aufgrund des großen branchenübergreifenden Wachstums im Reich der Mitte immer schwieriger wird.
"Wer dort als Konzern erfolgreich sein will, muss den Wettbewerb um die besten Fachkräfte gewinnen“, erklärt Klaus Dierkes, seit 2010 als Konzernbeauftragter Personal China der Volkswagen AG in Peking, die neue Job-Initiative. Hauptziel von Volkswagen Group China ist es, das Unternehmen nachhaltig bekannt zu machen. "Darüber hinaus hoffen wir natürlich darauf, Top-Kandidaten im niedrigen zweistelligen Bereich für die Volkswagen Group China zu gewinnen“, heißt es bei Volkswagen China.Der Engpass an qualifizierten Fach- und Führungskräften hat im Reich der Mitte vor allem zwei Gründe. Mit Blick auf die noch relativ kurze wirtschaftliche Öffnung des Landes mangelt es schlichtweg an Bewerbern, die den modernen und stetig steigenden Anforderungen gerecht werden. Zum anderen will sich auch die aufstrebende Wirtschaftsmacht ihr Wissenspotenzial sichern und berufserfahrene Experten im Land halten. So stehen ausländische Unternehmen zunehmend im knallharten Talent-Wettbewerb mit chinesischen Konzernen. Fazit: In der Volksrepublik werden momentan in allen Wirtschaftsbereichen Millionen von gut qualifizierten und berufserfahrenen Beschäftigten gesucht.Trickreiche Talentesuche
"Diese große Anzahl kann selbst das Milliardenreich nicht kurzfristig zur Verfügung stellen“, ist die Erfahrung des Personalchefs Dierkes. Zumal der Kampf um die besten Talente durch das anhaltende Wirtschaftswachstum in China unter einem enormen Zeitdruck stattfindet. Als Folge gehören Abwerbungsversuche auf Experten- und Führungsebenen in China zum Alltag, mit zum Teil enormen Gehaltssprüngen. Dierkes: "Zumindest was das obere Management und absolute Top-Experten mit mehrjähriger Berufserfahrung angeht, schließt China schnell zum westlichen Gehaltsniveau auf.“
In den Auftritt auf Jobmessen in Deutschland zu investieren, rechne sich daher auf jeden Fall. Denn ein beträchtlicher Teil der über 250.000 ausländischen Studenten an deutschen Universitäten kommt aus China. Momentan studieren etwa 26.000 Chinesen an deutschen Hochschulen. Vor einem Jahrzehnt waren es noch halb so viele.Um die Top-Studenten aus China für China zu engagieren, veranstaltet die Volkswagen Group China gemeinsam mit der TU München am 9. und 10. November eine Informationsveranstaltung unter dem Motto "Your Career in China“. Dabei werden den Uni-Absolventen nicht nur Land und Leute vorgestellt, sondern auch konkrete Jobangebote bei Volkswagen im Reich der Mitte. Dabei treten erstmals auch die chinesischen Joint Venture von Volkswagen – Shanghai Volkswagen (SVW) und FAW-Volkswagen (FAW-VW) – gemeinsam mit dem deutschen Partner auf.Am 14. November findet das nächste Werben um die Auslandsstudenten aus China bei der Messe "Sino Job Career Days“ in Essen statt. Für die Personaler der Volkswagen Group China ist dies sicher erst ein Anfang: Die Mitarbeiterzahl in China soll in den kommenden Jahren von derzeit rund 50.000 Mitarbeiter auf rund 84.000 Beschäftigte steigen.
"Grundsätzlich sind unsere Rekrutierungskanäle nicht auf einzelne Länder begrenzt. Bereits derzeit zeigt sich, dass wir mit einem internationalen Team aus über 15 Nationen sehr gut aufgestellt sind. Für uns zählen allein die Qualifikation, Kompetenzen sowie die Persönlichkeit der Kandidaten. Aus diesem Grund sind wir derzeit sowohl in Asien als auch in Europa aktiv. Diese Rekrutierungen müssen nicht zwangsläufig die gleiche Art von Events sein, wie wir sie derzeit in Deutschland geplant haben“, so VW China.Vor allem für das Management in China sieht Volkswagen Bedarf. Dierkes betont: "Neben der Vergütung spielen die berufliche Förderung, die persönliche Weiterentwicklung sowie die Karriereaussichten in einem global aufgestellten Konzern eine zentrale Rolle.“ Und da könne Volkswagen punkten: Der deutsche Autobauer zählt in China zu den Top-Arbeitgebern, und die Fluktuationsrate liegt deutlich unter dem Branchenschnitt. "Wir begeistern die Mitarbeiter durch ein hervorragendes und international geprägtes Arbeitsklima, ein innovationsgetriebenes und modernes Arbeitsumfeld, maßgeschneiderte Entwicklungs- und Qualifizierungsprogramme sowie ein attraktives Vergütungspaket“, nennt VW China als Gründe für die Beliebtheit von VW als Arbeitgeber.Von den Bewerbern wird bei VW China aber auch einiges erwartet: "Für uns stehen neben den fachlichen Qualifikationen auch die sozialen, personalen und kommunikativen Kompetenzen im Vordergrund. Dazu gehören neben dem fließenden beherrschen von Fremdsprachen insbesondere auch Berufserfahrungen, die durch Praktika, Berufsausbildungen oder erste Schritte in einem Unternehmen belegt werden können. Abgerundet wird ein Profil durch ein überzeugendes Auftreten und vertiefende Kenntnisse in einem technischen oder kaufmännischen Fachgebiet.“