Berlin/München. Toyota hat in den vergangene Jahren viele Probleme gehabt: Kurz nachdem das Unternehmen den langjährigen Konkurrenten GM endlich überholt und größter Hersteller der Welt geworden war, begann 2008 mit dem Zusammenbruch der amerikanischen Bank Lehman Brothers die Finanzkrise. In den Jahren darauf kämpfte Toyota nicht nur mit Überkapazitäten, auf die der Konzern zu spät reagierte. Viel schlimmer waren die Qualitätsprobleme, die den Hersteller dazu zwangen, weltweit 14 Millionen Autos zurück zu rufen. Wie die "Welt am Sonntag“ schreibt, will Toyota jetzt mit einem "Geheimplan“ in fünf Schritten zurück an die Spitze:
Toyota: In fünf Schritten zurück an die Spitze
Die Japaner rücken die Qualität, für die sie einst berühmt waren, wieder stärker in den Mittelpunkt. Die Rückrufe der vergangenen Jahre beruhten nur teilweise auf Konstruktionsfehlern – zum Teil waren es auch Qualitätsprobleme bei einfachsten Bauteilen wie etwa Kühlmittel- oder Benzinschläuchen. Jetzt sollen die Entwickler wieder mehr Zeit für ihre Arbeit bekommen. "Wir sind, was die Qualität angeht, wieder auf Vorkrisenniveau. Aber das ist nur der Anfang“, verspricht Deutschland-Chef Ulrich Selzer.
Die "Welt am Sonntag“ zitiert interne Papiere, denen zufolge die Japaner bis 2015 die Hälfte ihrer Fahrzeuge in Schwellenländern absetzen wollen. Im vergangenen Jahren verkaufte der Hersteller noch 55 Prozent seiner Autos in traditionellen Märkten wie den USA, Japan und Europa. Beim Wiederaufstieg setzt das Unternehmen vor allem auf die USA und die Schwellenländer.
In den USA will Toyota 478.000 Fahrzeuge mehr verkaufen als im abgelaufenen Geschäftsjahr, in Asien sollen es 453.000 Autos mehr werden. Es hilft den Japanern enorm, dass sie weltweit vertreten sind und nicht so vom derzeit schwachen europäischen Markt abhängig sind wie zum Beispiel PSA. Toyota will verstärkt in den Schwellenländern Autos entwickeln und bauen, die exakt auf die dortigen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Davon sollen auch die örtlichen Zulieferer profitieren. "Ziel in Thailand sind 81 Prozent lokale Zulieferung, in Indonesien 75 Prozent“, heißt es in dem Papier, das der "Welt am Sonntag“ vorliegt.
Bei den Schwellenländern setzt Toyota vor allem auf die sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) sowie Thailand und Indonesien. Dort will der Konzern künftig mehr Autos bauen. Mit der Produktion vor Ort wollen die Japaner auch das Problem mit dem starken Yen umgehen, der ihre Exporte verteuert.
Traditionell ist Toyota ein zentral geführtes Unternehmen. Jetzt bekommen die einzelnen Regionalgesellschaften mehr Mitspracherechte. Zumindest ein erfolgreiches Beispiel gibt es schon: "Die Absichtserklärung, dass wir künftig mit BMW bei Motoren zusammenarbeiten, wurde hier in Europa ausgehandelt. In nur vier Monaten waren wir soweit“, sagt ein Mitarbeiter von Toyota Europe. "Früher, als das aus Japan gesteuert wurde, hätten wir das nie in dieser Zeit geschafft.“. Zudem bekommen die Importeure mehr Mitspracherecht beim Design. Auch damit soll sichergestellt werden, dass die Autos den Geschmack der Kunden treffen.
Obwohl Toyota auch allein ein großer Konzern ist und in der Hybridtechnik einen großen Vorsprung vor der Konkurrenz hat, kommen auch die Japaner nicht mehr ohne Kooperationen aus. "Wir haben gesehen, dass wir nicht alles selber machen und können“, sagt Selzer. Neben der kontinuierlichen Verbesserung der Verbrennungsmotoren forschen die Hersteller an Hybridfahrzeugen, Elektroautos und Brennstoffzellen-Fahrzeugen.
Mit dem Elektroauto-Pionier Tesla arbeiten die Japaner bereits zusammen, in der vergangenen Woche verkündeten sie zudem eine weitreichende Kooperation mit BMW. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen die Brennstoffzellen-Forschung vorantreiben und einen Sportwagen bauen. Zudem bekommt Toyota von BMW Dieselmotoren für seine europäischen Modelle und spart sich damit eigene Entwicklungsarbeit. "Wenn es bereits gute Lösungen gibt, müssen wir das Rad nicht neu erfinden. Wir sind für weitere Kooperationen offen“, sagt Selzer.
Toyota ist Weltmarktführer bei Hybridfahrzeugen, der Prius ist das meistverkaufte Hybridmodell der Welt. Bei der Entwicklung haben die Japaner einen jahrelangen Vorsprung, doch die amerikanischen und europäischen Hersteller holen auf. Um seinen Vorsprung zu halten, setzt Toyota deshalb verstärkt auf den Hybridantrieb und will bis 2020 in jeder Baureihe ein entsprechendes Modell anbieten. Mittelfristig soll jeder fünfte Neuwagen zwei Motoren an Bord haben. Zudem forscht der Konzern an Elektroauto, Brennstoffzellen und Wasserstoffautos.
Mit diesen Maßnahmen will der japanische Konzern, der mit seinen Marken Toyota, Lexus, Daihatsu, Scion und Hino zurück an die Spitze. Und im Moment sieht es gut aus: "Unsere Kapazitäten sind ziemlich ausgelastet", meldet Selzer für die weltweit 65 Werke des Konzerns. Im ersten Quartal des laufenden Jahres verkaufte Toyota nach Recherchen der "Welt am Sonntag“ zudem mehr Fahrzeuge als jeder andere Hersteller.
Im Geschäftsjahr 2012/2013 will der Konzern 9,6 Millionen Autos absetzen. GM kam in vergangenen Jahr auf neu Millionen, VW auf 8,2 Millionen. Im aktuellen Geschäftsjahr soll der Umsatz von Toyota bei umgerechnet 209,52 Milliarden Euro liegen, als Nettogewinn peilt der Autobauer 7,23 Milliarden Euro an. "Wir wollen im Autogeschäft des Gesamtkonzerns eine Gewinnmarge von fünf Prozent erreichen", sagt Selzer. Bisher liegt die Marge bei 1,5 Prozent.
Toyota hat sich in diesem Jahr mit großer Dynamik zurückgemeldet. Die Japaner könnten auch im Gesamtjahr wieder der größte Automobilhersteller werden", prophezeit der Leiter des Center of Automotive (CAM) an der Wirtschafts-Fachhochschule in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel. (Foto: Toyota)