Insgesamt befinden wir uns in Zeiten unsicherer Marktaussichten. Auf dem europäischen Markt zeichnen sich am Horizont bereits dunklere Wolken ab. Aber es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage weiter entwickelt. Anders sehen wir beispielsweise die Situation in China. Hier gibt es weiterhin ein stabiles Wachstum. Eine der Herausforderungen für die Zulieferer wird darin bestehen, die bevorstehenden Volatilitäten zu handeln. Da wird es sicherlich zu schleichenden Effekten kommen, auf die rechtzeitig reagiert werden muss. Aber ob es wirklich zu einem harten Einschnitt kommt, wissen wir nicht. Manchmal ist es ja auch einfacher auf harte Einschnitte zu reagieren, als auf schleichende Effekte, die dann erst Schritt für Schritt sichtbar werden.
"Qualität vor Zeit“
Das ist eine permanente Herausforderung. Eine der Herausforderungen der Branche ist es dabei, der wachsenden Bedeutung Chinas gerecht zu werden. Sehr viele Kunden erwarten von ihren Zulieferern weltweite Präsenz.
Absolut. Sowohl im Licht- wie auch im Elektronikbereich. Wir nehmen den Wettbewerb zunächst noch vereinzelt bei bestimmten Kunden in einzelnen Produktsegmenten wahr. Man kann aber auch beobachten, wie chinesische Zulieferer Schritt für Schritt ihre Kundenpräsenz und ihr Portfolio erweitern. Der Wettbewerb wird jedenfalls zunehmen.
Wir haben uns dort nicht einen bestimmten Marktanteil oder ein definiertes Umsatzziel vorgenommen, sondern wir wollen uns im chinesischen Markt so positionieren, wie auf allen anderen Märkten auch. Das heißt, wir wollen ein signifikanter Player sein.
Es gibt bei uns die klare Strategie, dass wir in einem Produktsegment zumindest eine Nummer-Drei-Position erreichen wollen.
Dieser Markt wird einerseits immer interessanter, ist aber andererseits auch sehr volatil. Wir haben dort die ein oder andere kleine lokale Aktivität. Sicherlich wird es irgendwann einen Zeitpunkt geben, zu dem wir uns dort mit Produktions- und Entwicklungsaktivitäten engagieren werden.
Wir erwarten von unseren Lieferanten, ähnlich wie das die Kunden von uns auch verlangen, den günstigsten Preis, beste Qualität, hohe Liefersicherheit und natürlich auch Innovationen. Es gibt aber keine Strategie, unsere Lieferantenanzahl auf eine bestimmte Größe zu reduzieren. Es ist natürlich immer wieder ein Thema, wie weit unsere Partner auf der Lieferantenseite bereit und in der Lage sind, uns auch global zu begleiten. In manchen Bereichen ist es für uns deutlich effizienter, bestimmte Produkte und Segmente mit ein oder maximal drei Lieferanten weltweit zu bedienen. Unternehmen, die das können und in der Lage sind uns auf allen Märkten in gleicher Qualität und mit gleicher Technologie zu beliefern, erfüllen damit ein Kriterium, das künftig eine große Rolle spielen wird. Auch das Thema Innovationen ist für uns von Bedeutung. Wir sind ein sehr Technologie getriebenes Unternehmen, mit dem Anspruch, in den entsprechenden Bereichen Technologieführer zu sein oder zu werden. Wenn dort Partner entsprechende Innovationen zu bieten haben, ist das von Vorteil.
Mit den Erstausrüstungsbereichen Elektronik und Licht sowie dem Aftermarkt fahren wir bei Hella eine Drei-Säulen-Strategie. Mit diesem Geschäftsmodell sind wir, auch was das Thema Risikomanagement angeht, gut aufgestellt. Denn der Aftermarket reagiert in Phasen wirtschaftlichen Auf- und Abschwungs zeitlich versetzt zur Erstausrüstung. In der letzten großen Krise konnte man sehr gut beobachten, dass die Erstausrüstungsmärkte zunächst sehr stark eingebrochen sind und erst mit einer signifikanten zeitlichen Verzögerung der Aftermarket reagiert hat. Das Gleiche hat dann auch für die anschließende Aufschwungphase gegolten. Das Nachrüstgeschäft hat für uns also insofern eine große Bedeutung, um insgesamt deutlich weniger Schwankungen in der Gesamtentwicklung der Hella zu bekommen.
Insgesamt sind wir mit der Entwicklung unseres Industriegeschäfts sehr zufrieden. Wir sind im unter anderem bei Straßenleuchten, bei der Flughafenbeleuchtung und bei sogenannten people countern aktiv. Es ist derzeit so, dass wir jedes Jahr unseren Umsatz im Industriegeschäft mindestens verdoppeln. In der Gesamtbedeutung für den Hella-Konzern ist das Industriegeschäft aber noch von untergeordneter Bedeutung. Auch hier gilt für uns das Motto Qualität vor Zeit. Das heißt, wir versuchen bei Produkten und Kunden zunächst eine solide Basis zu schaffen, bevor wir uns auf zu große Wachstumspfade begeben. (Foto: Hella)