Der Betriebsrat von Opel steckt in einem Dilemma, analysiert Hans-Hermann Aldenhoff, Arbeitsrechtsexperte bei Simmons & Simmons. Paradoxerweise handelt er gegen die Interessen einzelner Arbeitnehmer, um das gesamte Unternehmen zu schützen. Normalerweise ist es eher umgekehrt. Folgendes ist geschehen: Um die hohen Personalkosten zu senken, hat der Vorstand den Mitarbeitern mit Zustimmung des Bertriebsrats des hohe Abfindungen angeboten, wenn sie das Unternehmen freiwillig verlassen. Bis zu 300.000 Euro pro Person sind maximal möglich. Am ehesten nutzen diese Angebote naturgemäß jene Mitarbeiter, die keine Probleme haben, einen neuen Job zu finden, also junge und gut ausgebildete Personen – genau jene, die auch Opel gut gebrauchen könnte.
"Opel droht ein Tod auf Raten"
Der Betriebsrat hat dem Abfindungsprogramm zwar zunächst zugestimmt, sich aber vermutlich bestimmte Zustimmungsrechte vorbehalten, die er jetzt als Druckmittel einsetzt. Seiner Ansicht nach verlassen mehr Mitarbeiter das Unternehmen als angenommen. Er fürchtet deshalb um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Opel und hat sein Veto gegen die Abfindungen eingelegt. Damit befindet er sich in der für einen Betriebsrat ungewöhnlichen Situation, die Interessen des Unternehmens über die des einzelnen Mitarbeiters zu stellen.
Sollte der Streit weitergehen, würde der Fall vor der Einigungsstelle landen. Dort könnte die Zustimmung des Betriebsrats ersetzt werden. "Der Betriebsrat hat eine schwache Verhandlungsposition", analysiert Aldenhoff, "er führt einen Zwei-Fronten-Krieg gegen die Mitarbeiter und das Unternehmen." Durch das Programm drohe Opel die Überalterung und damit ein Tod auf Raten. Die Marke sei nicht mehr stark. Sollte abwanderungswillige Mitarbeiter vor Gericht ziehen, käme der Betriebsrat, der ja eigentlich die Interessen der Arbeitnehmer schützen sollte, in eine schwierige Situation.
Lesen Sie auch:
Kommentar: Opels harter Übergang
Betriebsrat Schäfer-Klug: "Opel laufen die Leute weg"
Opel-Chef Michael Lohscheller: "Wir können alle Werke in Deutschland wettbewerbsfähig machen"
Im Konflikt um Personalabbau: Opel setzt Abfindungsprogramm vorerst aus
Aus dem Datencenter: