Die Allianz der Autobauer Renault, Nissan und Mitsubishi ist von Ghosn geschmiedet worden, er ist auch ihr Vorsitzender. Berichten zufolge hatte Ghosn vor seiner Entlassung geplant, Renault und Nissan zu fusionieren. Bei Nissan soll es starke Vorbehalte gegen diesen Plan gegeben haben. Nissan verkauft zwar seit Jahren mehr Autos als Renault, hat aber an Renault weniger Anteile als umgekehrt, weshalb Renault bei einer möglichen Fusion wohl der stärkere Partner wäre. Wie es ohne Ghosn mit der Allianz weitergeht, ist noch nicht geklärt. Sowohl japanische als auch französische Politiker setzen sich dafür ein, sie zu erhalten.
Der einflussreiche französische Oppositionspolitiker Laurent Wauquiez befürchtet, dass Nissan die Affäre nutzen könnte, um Renault zu schwächen. "Wir müssen sehr wachsam sein", forderte der Parteichef der konservativen Republikaner (Les Républicains) im Sender Radio Classique. "Meine Befürchtung lautet, dass hinter der Ghosn-Affäre die Absicht einer Destabilisierung der Japaner (...) des Renault-Nissan-Konzerns stehen könnte - um ihn zu sprengen, oder um Renault im Inneren des Verbundes zu schwächen", sagte Wauquiez.
Shinji Akimoto, der stellvertretende Leiter der zuständigen Staatsanwaltschaft, wies den Vorwurf politischer Einflussnahme jedoch zurück. Die Fälschung von Finanzberichten sei ein ernsthaftes Verbrechen, sagte er unserer Schwesterzeitung "Automotive News" zufolge. Ghosn hat inzwischen einen auf Unternehmensrecht spezialisierten Anwalt mit seiner Verteidigung beauftragt. Renault beschäftigt nach Regierungsangaben allein in Frankreich rund 47.000 Menschen.