Paris. Der offiziell zum 1. Juni als Konzernchef bei PSA antretende Philippe Varin gilt als diskreter, aber erfahrener Krisenmanager. Er ist der Macher im britisch-indischen Stahlkonzern Corus, der den einst angeschlagenen Riesen wieder zu neuer Blüte brachte und einen Pennystock in ein höchst ertragreiches Unternehmen umbaute, wofür der indische Mischkonzern Tata ein Vielfaches des Börsenkurses zu zahlen bereit war.
Varin ist derzeit zwar noch CEO bei Corus und soll offiziell erst zum 1. Juni seinen neuen Posten bei PSA antreten. Er dürfte aber bereits in wenigen Tagen damit beginnen, sich in die neuen Aufgaben bei dem französischen Automobilkonzern einzuarbeiten. Spätestens am 15. April soll er damit beginnen, die Führungsmannschaft des Konzerns kennenzulernen.
Der bisherige PSA-Chef Christian Streiff wurde am Sonntag zwar recht rüde aus dem Unternehmen geboxt, er muss sich aber nicht nachsagen lassen, keine Veränderungen herbeigeführt zu haben. Mit dem Aktionsplan "CAP 2010" leitete er eine überfällige Strategie zur Verbesserung der Rentabilität ein. Erste kleine Ergebnisse wurden bereits im vergangenen Krisenjahr sichtbar. Erfolge verbuchte Streiff auch bei seiner Strategie, den Konzern internationaler aufzustellen. So konnte im vergangenen Jahr ein PSA-Werk im russischen Kaluga den Betrieb aufnehmen.
Straucheln ließ ihn nun aber zum einen die Autokrise und darüber hinaus seine angeschlagene Gesundheit. Denn noch immer gilt er als nicht vollständig erholt von seinem Gehirnschlag im vergangenen Mai. Gerade in Krisenzeiten muss ein Konzernchef aber vollständig am Ball sein und kann es sich nicht erlauben, nur eingeschränkt reisetauglich zu sein oder Überstunden aus dem Weg gehen zu müssen. Dies wird Streiff irgendwann anerkennen müssen, auch wenn er am Montag in einer ersten Reaktion noch erklärte, dass die Entscheidung gegen ihn "unverständlich" sei.
Auf der Soll-Seite seiner Bilanz steht vor allem ein Nettoverlust von 343 Millionen Euro im vergangenen Jahr nach einem Plus von 885 Millionen Euro im Vorjahr - so etwas hatte es seit sechs Jahren nicht bei PSA gegeben. Zwar konnte sich die PSA-Aktie seit Januar wieder um 26 Prozent verbessern - im Vergleich zum Stand vor einem Jahr steht sie aber immer noch um 70 Prozent schwächer da.
Dies konnte der Familie Peugeot nicht gefallen, die immmer noch 30,27 Prozent des Aktienkaptials und 44,87 Prozent des stimmberechtigten Kapitals an PSA hält. Im Februar handelte Streiff ebenso wie Renault einen staatlichen Kredit über drei Milliarden Euro heraus - bei den Verhandlungen darüber präsentierte er sich aber nicht gerade als versierter Diplomat. Im Gegenteil stieß Streiff den Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und auch die französische Bankenwelt mehrfach mit nickeligen Bemerkungen vor den Kopf.
Die Öffentlichkeit nahm ebenfalls Abstand von Streiff, der sich auch öffentlich stets weigerte, die soziale Komponente dieser staatlichen Unterstützung gebührend zu würdigen. Polterig und unsensibel ging er auf die Mitarbeiter zu - in einer Krise sollte ein Chef mehr Wert auf Zusammenhalt legen und Verständnis für schwierige Entscheidungen wecken.