Berlin/Rüsselsheim. Der Politkrimi um die Rettung Opel ist zwar vorbei, doch der Wirtschaftskrimi um die Schaffung einer neuen, zukunftsträchtigen Automobilgruppe hat erst begonnen. Es gehört nicht viel Tiefsinn dazu, um zu prognostizieren, dass es die neue europäische Opel-Gesellschaft noch sehr schwer haben wird. Die wahre Rettung von Opel ist jetzt nicht vollbracht, sie hat gerade erst begonnen - mit völlig ungewissem Ausgang.
Gewiss scheint heute nur zu sein, dass Opel am Ende dieses Prozesses ein völlig anderes Unternehmen sein wird - mit anderen Produkten, Standorten, Managern und Arbeitern. Es könnte sich am Ende herausstellen, dass die Bundesregierung und die beteiligten Länder mit vielen Milliarden Euro an Steuergeldern "nur" eine Automarke gerettet haben. Gut vorstellbar ist leider, dass sich der Unternehmenssitz von Opel in einigen Jahren in Nischnij Nowgorod befindet, dem Sitz der russischen Industriegruppe Gaz, und dass neue Opel-Modelle vornehmlich von russischen Arbeitern montiert werden.
Die meisten Opelaner hatten für Magna als Hauptinvestor plädiert, schlichtweg deshalb, weil Magna verspricht, möglichst wenige Stellen abzubauen und möglichst alle Standorte zu erhalten. Doch Magna und die russischen Partner von Frank Stronach haben aus gutem Grund keine Garantien für Bochum, Kaiserslautern, Rüsselsheim und Eisenach gegeben. Ihr Risiko ist zudem sehr begrenzt - das der Bundesregierung und damit der deutschen Steuerzahler dagegen um so höher.
Die Bundesregierung, die Arbeitnehmervertreter bei Opel und viele Branchenbeobachter setzen nun auf den wachstumsstarken russischen Markt, der Opel zu neuer Größe verhelfen soll. Ausgeblendet wird dabei aber gerne, dass in Russland andere westliche Autobauer wie Renault, Ford, Toyota und GM schon längst in Russland mit Werken, großen Vertriebsgesellschaften und einem erfolgreichen Markenimage präsent sind. Und angesichts der eigenen Wirtschaftskrise warten die russischen Verbrachuer derzeit ohnehin nicht auf Opel, um sich endlich eine bezahlbare, moderne Mobilität zuzulegen.
Welche Motive die russischen Parnter von Magna haben, hat jüngst der Präsident der Sberbank, German Gref, denn auch unumwunden in einem TV-Interview preisgegeben: "Es gibt hier eine sehr gute Gelegenheit für Russland, einen der technologisch am weitesten fortgeschrittenen Autobauer Europas nach Russland zu holen, und zwar zu einem Preis, der bislang ohne Beispiel ist in der Geschichte." Dem ist wenig hinzuzufügen.