München. Nachdem sich die Zuliefererbranche über den Einstieg der Schaeffler Gruppe bei Continental noch immer verwundert die Augen reibt, gibt es den nächsten – wenn auch von den Umsatzgrößen – nicht ganz so spektakulären Coup. Die österreichische Polytec Group übernimmt den umsatzstärkeren Wettbewerber Peguform. Wie im Falle Schaeffler/Conti spricht für den Deal eine industrielle Logik. Polytec will durch den Zukauf seine globale Positionierung ausbauen,gewinnt durch den Zukauf des Kunststoffspezialisten für die eigene Gruppe Standorte in Mexiko, Brasilien sowie Joint Ventures in China, Portugal und Spanien hinzu und ergänzt zudem sein Kundenportfolio.
Polytec-Chef Friedrich Huemer, mit 32,1 Prozent Kernaktionär der Polytec-Gruppe, beweist mit dem Zukauf einmal mehr, dass er kein zögerlicher Manager ist. 22 Jahre nach Gründung der Polytec Elastoform durch ihn selbst und 13 Jahre nach dem Einstieg ins Automobilzulieferergeschäft hat er den Umsatz der Gruppe von 15 Millionen Euro im Jahr1995 inklusive der Peguform-Übernahme um das 150-fache auf rund 2,2 Milliarden Euro gesteigert. Einen Großteil dieser rasanten Entwicklung ist auf eine Vielzahl erfolgreicher Akquisitionen, meist angeschlagener Unternehmen, zurückzuführen. Mit der Übernahme der nach schweren Jahren wieder gesundeten Peguform Gruppe ist ihm nun wohl sein Meisterstück gelungen, womit er sich im Ranking der 100 größten Automobilzulieferer im Mittelfeld einreiht.
Auch für Peguform stehen die Perspektiven nach dem Ausstieg des bisherigen Eigentümers, der Beteiligungsgesellschaft Cerberus, nicht schlecht. Beide Unternehmen gemeinsam werden den Automobilherstellern größere Umfänge an Kunststoffkomponenten für Interieur und Exterieur anbieten können und Skaleneffekte beim Einkauf erzielen. Viel Zeit zum Staunen wird Huemer der Branche nicht geben. Er hat schon mal angekündigt offen für weitere Zukäufe zu sein.