Da bin ich eher skeptisch. Dass jetzt ausgerechnet ein chinesischer Hersteller einen europäischen Autobauer zu einer Spitzenmarke machen will, das traue ich Geely beim besten Willen nicht zu. Chinesische Unternehmen neigen meiner Erfahrung nach dazu, Marken eher zu nutzen, als sie aufzuladen und somit werthaltiger zu machen. Um das zu schaffen, bedarf es einer klaren Markenstrategie, aber die ist zur Zeit zumindest noch nicht in Sicht.
Experte zum Volvo-Verkauf: Chinesen können Marken nicht aufladen
Geely produziert überhaupt erst seit 1997 Autos und chinesische wie übrigens auch koreanische Hersteller sind darauf getrimmt, kostengünstig massenhaft Fahrzeuge zu produzieren. Das ist bei Tata doch etwas anders gelagert. In Indien herrscht großer Respekt gerade in Bezug auf britische Ingenieurskunst.
Grundsätzlich stelle ich fest, dass China Weltmeister bei Plagiaten ist. Das heißt zwar nicht, dass China nicht zu Spitzenleistungen in der Lage ist. Wer allerdings nicht konsequent die Rechte anderer respektiert, der kann auch nicht Markenwerte schaffen. Wir sehen aber schon seit einiger Zeit, dass sich die Einstellungen in Bezug auf die Plagiate-Problematik in China verändern. Je stärker auch im chinesischen Binnenmarkt Hersteller und Zulieferer in Wettbewerb zueinander treten, um so wichtiger werden neben dem reinen Preisargument künftig die Marke und das Image. Das wird sich langfristig positiv auf das Thema intellectual property right auswirken.
Das ist in der Tat die eigentliche Frage. Volvo ist zwar eine absolute In-Brand, aber bei vielen Kunden nicht im relvant set, wenn es um die Anschaffung eines Premiumautos geht. Das muss sich ändern. Die Attraktivität einer Marke bemisst sich dabei nicht nur am Produkt, sondern auch am gesamten Markenauftritt und nicht zuletzt am Point of Sale. Der Kunde will die Marke im Verkaufsraum erleben - und in diesem Punkt hat Volvo noch erheblichen Nachholbedarf. Vergleichen Sie das mal mit dem Auftritt von Audi, da wird der Unterschied sofort deutlich. Ein attraktiver Markenauftritt ist vor allem für die Gewinnung von Neukunden wichtig - die Fans einer Marke, und davon gibt es bekanntlich viele bei Volvo, stören sich nicht an einem nüchternen Showroom. Ich habe allerdings die große Sorge, dass sich Volvo unter den neuen Eigentümern im Verkauf noch schwächer aufstellen wird als das bisher schon der Fall ist.
Bislang hat sich Volvo vor allem auf funktionale Werte wie Sicherheit und Robustheit berufen. In diesen Bereichen kann man aber schnell ein Alleinstellungsmerkmal verlieren, wie das Beispiel Toyota zeigt. Dort hat man sich viel zu lange allein auf das funktionale Kriterium Qualität verlassen. Besser machen es die deutschen Premiumhersteller: Audi steht für Technik, BMW für Sportlichkeit und Mercedes für Premium schlechthin. Bei Volvo fängt man jetzt gerade an, das skandinavische Design als Markenwert zu entwickeln. Ein solches individuelles Design könnte die Marke tatsächlich nachhaltig aufladen - wenn man es konsequent macht.
Nicht uneingeschränkt. Der C30 etwa passt nicht unbedingt zum Markenkern. Mit dem S60 aber scheint Volvo die richtige Richtung eingeschlagen zu haben. Bei diesem Modell werden die Werte Sicherheit und Design besonders sichtbar.